Zur geistlichen Schulaufsicht.
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Wer indes den Verfasser von lange her zu kennen Gelegenheit hatte —
und die Gelegenheit war allen evangelischen Lehrern und Predigern Preußens
seit 26 Jahren geboten durch das Evangelische Schulblatt und eine Anzahl
anderer schulschriftstellerischer Arbeiten — der wird sagen: Nein, als einseitig
darf das Werk nicht beurteilt werden, dafür bürgt mir die gründliche Einsicht
des Mannes auf dem Schulgebiet und sein gerader, wahrheitsliebender Charakter.
Daß ihm aber die kirchenfeindliche Presse zujauchzt, scheint allerdings
keine gute Empfehlung für sein Buch zu sein. — Stutzig kann in allen Fällen
diese Wahrnehmung auch den Freund des Verfassers machen; er soll sich
dadurch aber nicht unbesehens kopfscheu machen lassen. Es ist zu allen Zeiten
so gewesen, daß Leute, die auf irgend welchem Gebiet reorganisatorisch auftraten,
an alt hergebrachten Ordnungen rüttelten, viele Leute vor den Kopf gestoßen
und geärgert haben.
Es soll nicht in Abrede gestellt werden, daß das Buch dem einen und andern
Lehrer den Kopf verdrehen und ihm „den rechten Standpunkt verrücken kann."
Wer das Buch so liefet, daß er einseitig nur seine vermeintlichen Rechte daraus
hervorsucht, seine materiellen und Standes-Jnteressen vorkehren und sich den
Geistlichen gegenüber damit brüsten will, der hat den Schaden; aber der Verfasser
ist dafür nicht verantwortlich zu machen. Solchen Leuten ist seine Seele von
jeher feind gewesen. Lehrer und Prediger, die das Evangelische Schulblatt seit
einer Reihe von Jahren lesen, werden mir zustimmen, wenn ich behaupte, daß
der Redakteur sowohl den Tagelöhnern als den Strebern in unserm Stande
ein sehr gehaßter und gefürchteter Mann gewesen ist, denn mit dieser Sorte von
Kollegen hat er sehr unsäuberlich verfahren. Sein Bestreben ist es von
Anfang an gewesen und ist es noch, nach besten Kräften und aus allem Ver
mögen dazu beizutragen, daß der Lehrerstand ein Ehrenstand in des Wortes
edelster Bedeutung werden möge. Hebung des Lehrerstandes, ja, das war sein
Ziel; aber er wußte auch und hat es wiederholt durch Wort und Schrift bezeugt,
daß der Mensch und auch der Lehrerstand nur wächst mit seinen höheren Zwecken.
Und auch diese höheren Zwecke hat er je und je seinen Berufsgenossen klar vor
die Seele gemalt. Streben nach gründlicher Vorbildung; sorgfältige Präparation
für die einzelnen Lehrstunden; Treue auch im Kleinsten; solide Arbeit nicht für
die Schaufenster, nicht für den Revisor, sondern als vor dem HErrn, dem
obersten und schärfsten täglichen Revisor, der Herzen und Nieren prüft und das
Verborgene ans Licht bringt; nicht nur ein Lehrmeister, sondern vor allem und
in allen Dingen Erzieher; nicht toter, starrer Wegweiser, sondern liebevoller,
barmherziger Führer zu Jesu, dem Kinderfreunde: dahin zielte sein Streben,
darauf hin hat er stets gewirkt, dazu hat er ermahnt und ermuntert öffentlich
und sonderlich; und für diese seine unermüdliche Liebesarbeit wird ihm eine
große Schar von Lehrern noch in der seligen Ewigkeit danken.
Wenn nun ein solcher Mann, der unter solcher Arbeit ergraut ist, seinen
Stand auch nach außen vertritt, ihn vor Verunglimpfungen mit Opferung seiner
Popularität zu schützen sucht und ihm zu einer Stellung zu verhelfen bemüht
ist, wie sie die Gesundung des Standes und das Wohl der Schule mit Not
wendigkeit fordert, dann dürfte man nach meinem Dafürhalten dessen Vorschläge
und Anträge nicht sofort als einseitig, leidenschaftlich und kirchen-

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