von seiner schwierigen Seite aus betrachtet.
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und Elenden, seine Milde gegen seine Feinde, seine Wunder, Lehren und
Abschiedsreden, und endlich und namentlich sein Leiden zeigen dies. Und
das Leben der ersten Christengemeinden, wie es die Apostelgeschichte und
wie es nichtchristliche Schriftsteller schildern, beweisen es. Da giebt
es keine Habgier mehr, die der Witwen Häuser ehemals fraß (wie es
der Heiland tadeln mußte), keinen geistlichen und weltlichen Hochmut
mehr, keine Spaltung auf irgend einem Gebiete; selbst nationale Schranken
fallen. Die Sonne der Liebe hatte die kalten Fesseln, welche ehemals
die Herzen gefangen hielten, geschmolzen. Die Christen waren ein Herz
und eine Seele und zeigten dies durch die Gütergemeinschaft, durch ge
meinsames Brotbrechen und Gebet, durch ihre Krankenpflege, Armen
pflege, Mission, Sorge für die leidenden Brüder in der Diaspora, so
daß selbst die rohen Heiden ausrufen mußten: „Seht, wie sie einander
so lieb haben!" Sie, die Christen aus Israel konnten singen: „Wir sind
die Erlösten, der Strick ist entzwei, und wir sind los!" Und der Tauf
befehl zeigt, daß wir auch dieser Erlösung teilhaftig werden sollten, und
wir sind es geworden, auch wir Deutsche, ehemals (wie die Kinder in
der Weltgeschichte gelernt haben) ein wildes Volk mit wilder Sprache
und wilden Sitten in einem wilden Lande, und jetzt! — Und c. ein
Vergleich mit den Heiden und Muhamedanern der Jetztzeit ist den
Kindern auch möglich. Die Despotie, Sklaverei, Vielweiberei, das
Menschenfressen, Töten der Kinder, Verbrennen der Witwen, Menschen
opfer sind in Geographie und Geschichte erwähnt worden. Der Lehrer
nehme dies alles hier im Katechismus-Unterrichte nicht etwa von neuem
und ausführlich durch, sondern nehme nur deutlichen Bezug auf die Er
gebnisse des frühern Unterrichts, so daß das Kind sich klar werde über
die Frage: „Was hast du vor einem Kinde der Heidenwelt im voraus?"
Zur Einsicht kommt: Die Notschreie der geopferten Menschen und Tiere
der alten Welt haben sich aufgelöst in Jubel- und Dankgesängen unter
dem Kreuze von Golgatha, wo endlich uns und mit uns aller Kreatur,
die sich mit uns bisher vergebens sehnete und ängstigte immerdar, die
Frucht des Sehnens, die Erlösung ward, das Zeichen, daß wir gött
lichen Geschlechts und damit göttlichen und ewigen Wertes seien.
Alles dies zu wissen ist heutzutage besonders notwendig. Wie einst
zu Christi Zeit, hallt auch heut jener Verzweiflungsruf Pilati in der
Welt wieder: „Was ist Wahrheit?" Die vielen religiösen Gemeinschaften
sind die verkörperten Antworten auf die weltumfassende Antwort jenes
Skeptikers, in ihrer Verschiedenheit dokumentierend, wie wenig wir durch

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