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Noten oder Ziffern für die Volksschule?
amts entschädigen. Kirchendienst sei auch der Religionsunterricht in der Schule.
Der Lehrer sei mitgemeint bei dem großen apostolischen Auftrag Matth. 28,
19, 20, der die Völker zu lehren befehle. Aber es würde Zeit, daß die Lehrer
in weiteren Kreisen sich darauf besännen, wie sie auch außerhalb der Schule
Licht und Recht des Herrn vertreten könnten. Wenn der Lehrer Fortbildungs
schule mit Erwachsenen im Deutschen und im Rechnen und in der Geographie
halte, warum halte er nicht auch Collegia für Schrifterforschung und Missions
kunde? Besonders in großen Parochieen, auf entfernten Filialen, brauche die
Kirche mehr Diener am Wort, auch außerhalb des Kreises der Ordinierten.
Gerade die Lehrer wären, wenn sie im Glauben ständen, besonders dazu geeignet,
den christlichen Diakonat wieder zu beleben. Um so besser, wenn man dabei
äußerlich in seiner Stellung an der Schule bleibe. Gäbe es mehr Lehrer, welche
sich solche kirchlichen Aufgaben stellten, so würde die Kirche über kurz oder lang
ihnen auch eine entsprechende Stellung im kirchlichen Organismus offiziell
zuweisen müssen. Aber in solche Stellung müsse man fich eben hineindienen.
Die Versammlung war in allen Punkten mit dem Referenten einverstanden.
Zum Schluß wird noch die Einladung des Pfarrers Zillessen in Orsoy zum
Eintritt in den „Verein zur Erhaltung der evangelischen Volksschule" mitgeteilt.
„Noten oder Ziffern für die Volksschule?"
Diese Frage, obwohl schon seit geraumer Zeit in Bewegung, wird
doch immer noch meist zu Gunsten der ersteren entschieden. Warum?
Aus träger Gewohnheit und aus Furcht davor, noch einmal Schüler
zu werden," antwortet Rousseau, und nicht grade zum Vorteil ihrer
Sache stellen sich auch manche moderne Zifferisten, in denen der junge
Most einer neuen Errungenschaft noch allzu lebhaft gährt, auf diesen
erhabenen Standpunkt. 'Wir aber, die wir doch eine bessere Meinung
von der deutschen Lehrerschaft haben, müssen die Kälte, mit welcher die
meisten noch dieser Erscheinung gegenüberstehen, aus einem mehr objek
tiven Grunde erklären: sie wollen die Schule nicht zum Experementier
boden machen.
Denn was bürgt für die Erfolge der neuen Methode? Etwa ihre
eklatanten Erfolge, welche sie in der That in einer Reihe von Schulen
besonders des Kreises Essen gehabt hat? Die überzeugen, je über
raschender sie sind, desto seltener die Fernstehenden. Oder ihre Geschichte
in Deutschland? Jene Unzahl von unvollkommenen Methoden von
der Musiktabulatur des Kapellmeisters Schultz bis auf Diebels, jene
dissecta membra ganz ohne Beziehung zu einander und daher auch

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