Noten oder Ziffern für die Volksschule?
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ohne Entwickelnng, — das ist keine Geschichte, welche einladen und be
geistern kann.
Eine wirkliche Entwickelung und Geschichte hat die Ziffernmethode
nur in Frankreich erhalten; sie ist aber den meisten unbekannt. Diese
empfindliche Lücke in der Ziffernlitteratur auszufüllen, ist der Zweck des
vor kurzem in Essen bei Baedeker erschienenen Schriftchens von Lehrer
Braun: „Die Ziffernmethode." Kurze Darlegung ihrer Geschichte, ihres
Wesens und ihrer Anwendung unter besonderer Berücksichtigung der
Methode Golin - Paris-Cheve. 80 Pf. Schon für den zeitgemäßen
Gegenstand muß ja jeder empfänglich sein, der nicht unter Rousseaus
Verdammungsurteil fallen will, sondern für das Neue auf dem Felde
der Pädagogik ein offenes Auge hat.
Auch wird niemand das Büchlein aus der Hand legen, ohne dem
Verf. das Zeugnis zu geben, daß er aus der Fülle seines Stoffes unter
fleißiger Benutzung der Quellen das Notwendigste auf engem Raum zu
einem lebendigen Gesamtbild gruppiert hat. Kurz und lebensvoll ziehen
die einzelnen Entwickelungsstadien der Methode in den Lebensbildern ihrer
Bearbeiter an uns vorüber. Rousseau mit seinen genialen Gedankenblitzen,
von denen nicht der geringste in das Reich der Töne stel; Pierre Galin,
welcher die Unklarheiten des genialen Entwurfs in bezug auf Notierung
und Taktbezeichnung mit der Präzision des Mathematikers beseitigte;
Anno Paris, der Advokat, welcher seine ganze Beredsamkeit und sein
Vermögen in den Dienst der Propaganda für die neue Errungenschaft
stellte und die Taktsprache für das Gehör vervollständigte; Emile Chevö
der seinen Beruf als Arzt aufgab, um Hand in Hand mit seiner Gattin
die Methode zu verbreiten; endlich Amand Cheve, welcher das Erbe
seiner Eltern überkommen hat und noch jetzt eifrig dafür thätig ist.
Nach einem kurzen Blick auf die nicht geringe Verbreitung der
Methode in Deutschland führt uns der Verfasser den dreistimmigen
Satz der preußischen Nationalhymne vor, um an diesem Beispiel die
Überlegenheit der Notation Golin-Paris-Cheve gegenüber den unvoll
kommenen deutschen Ziffernnotierungen zur Anschauung zu bringen.
Nachdem die vertretene Methode aus diesem Kampfe siegreich hervor
gegangen ist, hat sie nun noch das Haupttreffen mit dem Notensystem
zu bestehen. In objektiver Weise läßt er hier in prägnanten Sätzen
die Vorzüge beider Worte zu kommen; aber Schlag auf Schlag sinkt
die Notenschrift und hebt sich die Ziffernschrift; jeder Unbefangene muß
unter dem Eindruck stehen: In jener ist alles kompliziert, in

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