fremder geographischer Eigennamen in der Schule. 419
Schwierigkeit noch keineswegs immer gehoben; denn dieselben Lautzeichen
klingen häufig in der frenwen Sprache doch noch anders als im Deutschen.
So spricht man z. B. Gibraltar nach der Anweisung chibraltär und
glaubt damit genug gethan zu haben. Weit gefehlt! Das g — ch ist im
Spanischen überall, also auch vor e und i, guttural zu sprechen (wie in
„Loch, Bach"). Es gibt aber auch Laute, die überhaupt im Deutschen
gar nicht vorhanden sind; so besonders manche Zischlaute und uns un
möglich scheinende Konsonantenverbindungen der slavischen Sprache wie
crn (Crnagora), strz (Strzelno), chmj (Chmielnik spr. chmjälnik). Noch
schwerer auszusprechen ist das harte l (!) des Russischen und Polnischen,
bei welchem die Anweisung lautet: „Um solches ll gut aussprechen zu
können, lege man die Zunge, statt sie an die oberen Vorderzähne und
den oberen Gaumen anzudrücken, an die untern Vorderzähne und im Bogen
nach unten an; bei dieser Lage der Zunge spreche man gelassen das
deutsche l aus, und es wird ein reines slavisches ll entstehen." Nun
möge, wer Lust hat, sich versuchen! Kenner des Slavischen aber ver
sichern, daß gerade dieser Laut der allerschwierigste für Nichtslaven sei
und sehr viel Übung erfordere.
Wenn schon diese Erwägungen geeignet sein dürften, den ortho-
epischen Übereifer etwas zu mäßigen, so tritt nun noch ein Moment von
ganz besonderer Wichtigkeit hinzu.
Die ausländischen Ortsnamen sind zum allergrößten Teile nicht erst
seit heute oder gestern uns bekannt geworden, sie sind schon seit langen
Zeiten, teilweise seit Jahrhunderten dem deutschen Volke bekannt gewesen
und haben in seinem Munde vielfach eine besondere, den deutschen Laut-
und Sprachgesetzen entsprechende Form angenommen; sie sind in dieser
bestimmten Form eingebürgert und somit ein Bestandteil der deutschen
Sprache geworden. Dahin gehören:
3.) Namen mit ganz abweichender, deutscher Form (Schreibung und
Aussprache), gleich den Lehnwörtern wie „Körper", „Fenster", z. B.
Mailand;
b) Namen, die unter Bewahrung der fremden Schreibweise deutsche
Aussprache haben, z. B. London;
c) Namen, die umgekehrt unter Bewahrung der fremden Aussprache
deutsche Schreibweise haben, z. B. Kalisch.
Hier gehen nun die neuesten Schulgeographen vielfach einseitig und
rücksichtslos vor, sie verfahren, als ob sie ganz freies Feld vor sich hätten,
als ob nicht vielmehr die Ortsnamen großenteils schon seit langen Zeiten,
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