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Heintze, Die Aussprache
und zwar in einer bestimmten Form, im Deutschen gäng und gäbe wären
und die deutsche Sprache den fremden gegenüber nicht auch ein Recht
hätte. So kennt Cassian-Richter im Texte nur die skandinavischen For
men Göteborg, Trondhjem, Frederikshald, nicht aber die ent
sprechenden deutschen, welche nur im Register noch zum teil verstohlen
hervorsehen; so verlangt Daniel-Kirchhoff, daß St. Helena gesprochen
werde sssnt hilinä, als hätte nicht seit Napoleons I. Verbannung nach
diesem Felseneiland die Aussprache sankt helena feste Wurzeln im
Deutschen geschlagen! Und wie sollen denn, wenn nun mit einem Male
nur die englische Aussprache des Namens Geltung haben soll, die zahl
reichen Stellen unserer Dichter gelesen werden, in welchen St. Helena in
deutscher Betonung und Aussprache vorkommt, wie z. B. in Zedlitz'
Totenkränzen:
„Das Wort geht in die Runde,
Klingt wieder fern und nah:
Frankreich ist die Parole.
Die Losung: St. Helena!"
Ähnlich ist es mit Niagara in der englischen Aussprache nsiä'ggärä
Ton auf der drittletzten Silbe); man vergleiche Lenau's schönes Gedicht:
„Die drei Indianer":
„Mächtig zürnt der Himmel im Gewitter.
Schmettert manche Rieseneich' in Splitter,
Übertönt des Niagara Stimme,
Und mit seiner Blitze Flammenruten
Peitscht er schneller die beschäumten Fluten,
Daß sie stürzen mit empörtem Grimme."
Man nehme hier statt der deutschen Sprechung niagära, die in ihrem
majestätischen Klange dem größten Wasserfalle der Welt angemessen ist,
jene der Jankees, und es ist nicht allein das Versmaß, sondern auch die
Wirkung der ganzen Strophe zerstört.
Genug, wenn auch als oberstes Gesetz die Aussprache des Landes
und Volkes gelten muß, welchem der einzelne Name angehört, so hat die
deutsche Sprache doch auch ihre Rechte, die nicht so ohne weiteres igno
riert und gemißachtet werden dürfen. Solcher übermäßigen Nachgiebig
keit gegen das Fremde gilt auch Klopstocks patriotisches Wort:
„Nie war gegen das Ausland
Ein anderes Land gerecht wie du.
Sei nicht allzu gerecht!"
Wird diese Mahnung hier nicht beachtet, werden die Rechte der
deutschen Sprache und Nationalität der Jugend gegenüber preisgegeben,

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