fremder geographischer Eigennamen in der Schule.
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besitzen, entweder so, daß eine ganz selbständige deutsche Benennung besteht,
welche mit der slavischen nichts gemein hat, wie Lemberg für Lwow,
oder, was häufiger ist, so, daß der fremde Name möglichst den deutschen
Lautgesetzen entsprechend umgemodelt ist, wie W a r s ch a u aus Warszawa.
So haben wir die Ortsnamen auf au: Jglau, Kasch au, Krakau,
Moskau —die auf itz: Tarnowitz, Lowositz, Leitmeritz, Teplitz,
Auschwitz,*) Austerlitz, Zirknitz, Kremnitz, Schemnitz u. a.,
ferner Brünn, Olmütz, Gratz, Laibach, St. Petersburg rc.
In den Ortsnamen, welche slavische Schreibung ganz oder teilweise be
wahrt haben, ist c — z (Kaminiec), cz ---- tsch (Czernowitz).
Wo die Schreibung schwankt, sollte die deutsche vorgezogen werden:
Gitschin statt Jiein, Tscheche statt Czeche, Tschenstochau statt
Czenstochau oder Czenstochawa, Mo hatsch statt Mohacz.
Was im besonderen das Russische betrifft, so ist in der Endung
o w das w nicht stumm, wie in den halbdeutschen wendischen Ortsnamen,
z. B. Grabow (spr. Grabo), sondern wie f (ff) zu sprechen: Saratow;
ebenso in Kiew.
Dagegen ist es nicht erforderlich, s im Anlaut scharf — ß zu sprechen,
was ja auch namentlich bei Sibirien und Sarepta gegen die wenig
stens in Norddeutschland eingebürgerte Aussprache streitet.**) Ebenso
wenig wird es nötig sein, e in Newa, Onega u. a. „mit einem Bei
klang von j" auszusprechen: njewa, oujega oder gar anjega, weil o
vor der Tonsilbe — a: adessa, ssmalensk, paltawa, arjoll (Drei). Wie
fremdartig klingt nicht dies alles! Und dann lauten die Sprachregeln
in diesem Stück auch gar nicht so deutlich und bestimmt, es heißt nur: Newa
„ungefähr wie Njewa", o wie ein „kurzes dumpfes a" (welches sich
also von o wohl nicht viel unterscheiden wird).***)
*) Die alte deutsche Form („die Herzogtümer Auschwitz und Zator"), welche
jetzt leider, wie es scheint, durch die slavische Oswiecim mehr und mehr zurück
gedrängt wird.
**) Dasselbe gilt von spanischen Namen, wie Salamanca, ferner von
Serbien, Sinope, Siam, Sumatra, Sues, Sudan, Sahara u. s. w-,
wo Kiepert u. a. ß verlangen. Wer im Deutschen überhaupt gewohnt ist, das
s im Anlaut scharf zu sprechen, wird es natürlich auch hier thun: wer es aber
sanft spricht, den belasse man dabei.
***) Mit diesen Forderungen stimmen privatim an mich gelangte Äußerungen
des Gymn.-Dir. Spreer in Putbus, der sich Jahre lang in Rußland aufge
halten hat. Ko.

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