430 Heintze. Die Aussprache fremder geographischer Eigennamen.
Magyarisch.
Dem Chauvinismus und der Tyrannei der hochmütigen Magyaren
gegenüber wird jeder vaterländisch gesinnte Deutsche um so entschiedener
an dem deutschen Namen derjenigen Städte festhalten, welche durch den
Fleiß und die Tüchtigkeit deutscher Ansiedler in Ungarn und Sieben
bürgen während früherer Jahrhunderte gegründet sind. Also:
Preßburg, Ödenburg, Stuhlweißenburg, Klausenburg,
Schäßburg, Karlsburg; Theresienstadt, Kronstadt,
Hermannstadt; Fünfkirchen, Weißkirchen; Erlau,
Stein am Anger, Großwardein, Ofen; auch Komorn,
Raab, Waitzen, Gran re.*)
Letzteres heißt magyarisch Esztergom, slavisch Djur — warum soll
da nicht auch der Deutsche dasselbe Recht eigener Namengebung haben?
Die magyarischen, meist sehr abweichenden und fremdartig klingen
den Benennungen, wie Poszony (Preßburg), Nagy-Szeben (Hermann
stadt), Pecs (Fünfkirchen), braucht der Schüler gar nicht zu erfahren;
man verschone ihn damit!
Hinsichtlich der Aussprache gilt s — sch (Temesvar), wogegen reines
scharfes s durch sz bezeichnet wird (Szigeth = ßigeth). Es wäre aber
wirklich zu empfehlen, daß man den Laut sch auch so bezeichnete (z. B.
in dem Flußnamen Marosch); denn wer kann schließlich die Bedeutung
all dieser s, c, ö, sc, cs, sz, cz im Slavischen und Magyarischen be
halten, wenn er nicht ein Kenner dieser Sprachen ist! —
Die anderen Erdteile haben in der Hauptsache schon im Vor
stehenden an den betreffenden Stellen Berücksichtigung gefunden.
Im übrigen wäre es gerade bei ihnen angezeigt, die Namen in
einer möglichst entsprechenden deutschen Schreibung zu geben. Insbesondere
gilt dies von afrikanischen Namen, welche sich durch die neueren Entdeckun
gen deutscher, englischer und französischer Reisender jetzt so sehr vermehren;
also statt Fezzan spr. Dessau lieber gleich: Fessan, ebenso Fes, Sambesi
(statt Zambesi), Sansibar (statt Zanzibar), Aschanti (statt des eng
lischen Aschantee), Seschellen, Udschidschi (statt Ujiji), Dscholiba
(statt Djoliba).
Verf. schließt mit dem Wunsche, daß auch andere noch über diese
nicht unwichtige Frage sich äußern möchten, besonders auch hinsichtlich
der ihm weniger geläufigen Bedürfnisse der Volksschule.
*) Schon im Nibelungenliede, Str. 1437: Etzelen sie funden in einer etat
ze Gran.

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