Settau, „Wissenschaftliche" und „evangelische" Pädagogik. 431
„Wissenschaftliche" nnd „evangelische" Pädagogik
oder
Für und wider Herbart.
Vom Seminarlehrer Settau in Königsberg i. Pr.
(Schluß.)
Ich: In der That ein vernünftiger Rat! Indessen müßten Sie
doch wohl noch deutlicher zu zeigen versuchen, daß es unfruchtbar ist,
über gewisse Grundannahmen (insbesondere auch philosophischer Systeme)
zu streiten.
B.: Sie haben verstanden, daß ich Grundannahmen meine, die „den
ganzen und innersten Menschen mit dem Eindruck untrüglicher Wahrheit
ergriffen haben." Ich dächte, einige Erfahrungen, die ich neulich gemacht
habe, zeigten die Sache noch deutlicher. Vor nicht langer Zeit kam in
einer „pädagogischen Gesellschaft" bei Gelegenheit eines Disputs über
das Gewissen die Rede auf das Verhältnis von Philosophie
und Religion. Ich teilte aus einem Buche, das mir eben zur Hand
war, folgenden Passus mit: „Durch das eigne Gesetz der Philosophie,
kein Vorhandenes zu ignorieren, ist es ihr nun geboten, von der Offen
barung, die sich für den Schlüssel der obersten Erkenntnis ausgibt, einen
solchen Gebrauch als Hypothese zu machen. Bewährt sich dieselbe als
Grundlage der philosophischen Weltanschauung, dann ist die Einheit beider
Wissenschaften (Theologie und Philosophie) erreicht, es ist nämlich dasselbe
Fundament der obersten Wahrheit, auf dem sie beide ruhen, ähnlich wie
der Staat gemeinsam mit der Kirche zu seinem letzten Fundamente die
Religion hat. Es ist ferner die Bedeutung, welche die Offenbarung sich
selbst zuschreibt, bewahrt, indem ohne sie die wahre Weltanschauung nicht
zu finden gewesen wäre.
Es ist aber damit die Selbständigkeit der Philosophie nicht auf
gegeben; denn sie nimmt jene Fundamente nicht auf Glauben an,
sondern weil und insoweit sie sich erproben. Nur darin träte
dann die Philosophie von den Ansprüchen, die sie bis jetzt macht, herunter,
daß sie ihre letzte Voraussetzung nicht aus sich selbst (den Bestimmungen
der menschlichen Vernunft) gefunden, sondern empfangen hätte. Allein
das ist eben die Wahrheit gegenüber dem Grundirrtum des Rationalismus,
daß die Philosophie alle Objekte empfängt und nicht aus sich heraus
findet, deshalb auch, wenn anders der Zusammenhang der Dinge ein
realer, nicht ein bloß logischer ist, das Objekt, das die andern alle bedingt
und erklärt, nur empfangen kann. — Über die Richtigkeit des Verhältnisses

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