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Lettau,
von Theologie und Philosophie, wie es hier angegeben wurde, kann dann
auch schlechterdings nur der Versuch entscheiden. Ob sich der Offen
barungsinhalt als Schlüssel der Dinge bewähren werde, das kann a priori
allenfalls geglaubt, aber nicht gewußt, somit auch wissenschaftlich nicht
angenommen werden. In einzelnen Gebieten des Wissens ist dieser Versuch
bereits mit Erfolg gemacht worden. So namentlich im Gebiete der
Moral." Hierauf bemerkte einer der Zuhörer: „Das ist mir wie
aus der Seele gesprochen; das ist klar und bestimmt, dagegen dürfte
kaum ein Widerspruch möglich sein." — „Von wem ist das Citat?"
fragte ein anderer. Als ich darauf antwortete: es ist aus einer Abhandlung
Stahl's „über das Verhältnis von Theologie und Philosophie", da trat
alsbald das bekannte abweisende Lächeln der Verwunderung und des
innern Widerstrebens bei einigen hervor, und einer derselben bemerkte
ausdrücklich: „Schon wenn ich den Namen Stahl, der ja das Wort von
der „Umkehr der Wissenschaften" erfunden hat, höre, dann bin ich sofort
orientiert. Die Dialektik dieses Mannes, dessen Grundstimmung ein
einseitig-schroffes Luthertum ist, führt allemal in Nebelregionen, bei mir
würde auch die beredteste Verteidigung des Mannes mein Mißtrauen
gegen denselben nie beseitigen können." — „Mir allerdings", bemerkte
hierauf ein anderer, „ist das so verschrieene Wort „von der Umkehr der
Wissenschaften" nie unsympathisch gewesen; ich meine, daß es cum grano
salis zu verstehen sei und zunächst nur die Forderung enthalte: die ethischen
Wissenichaften müssen von der „Offenbarung Weisungen annehmen." —
„So sind wohl, replicierte jener, „unsere Auffassungen gewisser Begriffe
im Grunde verschieden, und es käme vielleicht zuerst darauf an, wie wir
(resp. Stahl) den Begriff „Vernunft" fassen. Ich nehme ihn (wahr
scheinlich anders als St.) in dem Sinne des Lutherschen Ausspruchs:
„Was gegen das Licht der Vernunft ist, das ist noch viel
mehr gegen das Licht des Geistes." — „Bei diesem Ausspruch",
erklärte der andere, „hat Luther jedenfalls an die geläuterte, geheiligte
Vernunft eines wiedergeborenen Christen gedacht, und nicht an die sog.
„natürliche Vernunft", die bloß aus äußern Verhältnissen sinnlicher
unstetiger Dinge die Stoffe ihrer Begriffe schöpft, um dieselben nach der
Form ihrer innern Natur selbst zu bilden und zu ihrem Gebrauch und
Genuß anzuwenden (die, um es mit einem Ausdruck unsers Hamann,
von ihm in seinen Briefen an Jakobi mehrmals angewandt, zu sagen,
die den einen Philosophen in diese, den andern in jene „Wirbel" hinein
führt!) Von dieser würde Luther sofort sagen: ihr gilt allezeit die

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