.Wissenschaftliche" und „evangelische" Pädagogik.
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Forderung St. Pauli, daß man die Vernunft unter den Gehorsam des
Glaubens gefangen nehmen müsse; dem entsprechend das Angustinische:
oreäo, quia absurdum. — Als sich dagegen von mehreren Seiten
Widerspruch erhob, citierte ich auch unter anderm aus Kolosser 2, 8:
„Sehet zu, daß euch niemand beraube durch die Philo
sophie und lose Verführung, nach der Menschen Lehre und
nach der Welt Satzungen (den Weltelementen) und nicht nach
Christo" — samt der Bemerkung v. Gerlachs zu dieser Stelle: „Jede
Menschenweisheit, jede Philosophie, welche nicht „das
Geheimnis des Gottmenschen" zum Grunde ihrer Forschung
legt, ist jetzt wie damals „leerer Betrug." — Darauf versetzte
jener: „Dieselbe Einseitigkeit wie bei Stahl! Mit Gerlach geht es
mir ebenso wie meinem Kollegen mit Stahl. Mein Mißbehagen beiden
gegenüber ist unüberwindlich. Wenn ich sie höre, ist es mir, als ob ich
in Nebelregionen wanderte und von allen Seiten Stockschläge erhielte." —
Es ist begreiflich, daß unser Disput resultatlos verlief. —
Ähnlich ein andermal bald darnach, als wir, zum teil nach Zu
sammenstellungen von K. Richter („Pädagog. Bibliothek") hörten, wie
Herbart gegen die Lehre von der „transcendentalen Freiheit"
eifert, darnach wie Möller (s. „Encyklopädie" von Schmid) die Kantsche
entgegenstehende Ansicht zu rechtfertigen sucht und endlich noch die hierauf
bezügliche Kritik des Herrn Prof. Vogt (Wien) in den Jahrbüchern
für wissenschaftliche Pädagogik. Mehrere Mitglieder der Gesellschaft
erklärten, es leuchte ihnen ein, daß bei Kant die in Rede stehende Freiheit,
obwohl losgelöst vom natürlichen Kausalnexus, doch nicht motivlos sei;
dies zeige ja auch der bekannte Ausspruch Kants in seiner Kritik der
reinen Vernunft: „Ohne Gott und eine für uns jetzt nicht
sichtbare, aber gehoffte Welt sind die herrlichen Ideen
der Sittlichkeit zwar Gegenstände des Beifalls und der
Bewunderung, aber nicht Triebfedern des Vorsatzes und der
Ausführung." Hierzu bemerkte einer noch besonders: „Ich finde auch
in einem Briefe Kants an Jung-Stilling vom Jahre 1788 (der mir
eben zur Hand) eine Bestätigung dafür, daß Möller den Gedanken
unsers Königsberger Philosophen richtig erfaßt hat. „Auch darin thun
Sie wohl", so schreibt K., „daß Sie Ihre einzige Beruhigung im Evan
gelium suchen; denn es ist die unversiegbare Quelle aller Wahrheiten,
die, wenn die Vernunft ihr ganzes Feld ausgemessen hat, nirgend anders
zu finden sind." — Darauf versicherte ein anderer: „Es hätte bei mir

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