Wissenschaftliche" und „evangelische" Pädagogik.
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Nicolai: Es ist Raum genug da! Lassen wir sie ziehen, die enragierten
Herbartianer! Daß die mehr nach rechts sich wendenden uns, die wir
unsere Pädagogik lieber eine „evangelische" als eine „allgemein wissen
schaftliche" (aus oben hinlänglich angedeuteten Gründen) nennen, schon
ganz nahe stehen, das merken wir ja deutlich genug aus vielen ähn
lichen Versicherungen wie diese: „des ganzen Zillerschen Lehrsystems Ziel
punkt ist und bleibt der, die Menschheit, die Jugend dahin zu weisen
und zu führen, wo alle menschliche Kultur, alles menschliche, edle und
ideale Streben wie auf seinen Zielpunkt hinstrebt: Der Himmel und der
im Himmel ist, Jesus Christus" (S. „Evangel. Schulblatt", Heft 5 u. 6,
S. 128).
Ich: Da dürften Sie recht haben! Andere Belege dafür sind mir
neulich in die Hand gekommen, so die Erklärung eines Herbartianers:
„Der biblische Unterrichtsstoff ist ganz vorzüglich imstande,
den Schwerpunkt im Unterricht der Volksschule oder „die
herrschende Vorstellungsmasse zu bilden." Desgleichen die Darlegung
desselben über den Begriff der Individualität: „Das Psychische bietet
den ersten Bestimmungsgrund der Individualität re.": (s. Heft 4. S. 110
und 111).
B.: Ganz brav! Hier fehlt nur als „Ergänzung" wieder die
Hervorhebung der bedeutsamen Gesichtspunkte des Apostels 1. Kor. 12,
Eph. 4 rc. Es kommt nur darauf an, daß man die Herren etwas drängt
und preßt! Ich habe in der That die beste Hoffnung, daß sie, bewegt
und getrieben von dem mächtigen Einfluß des Wortes Gottes, uns all
mählich immer näher treten werden —, daß sie es immer besser lernen
werden, „den Intellekt unter den Gehorsam des Glaubens" zu beugen
(d. i. die Normen ihrer Pädagogik weniger in der „reinen Philosophie"
und der daraus hergeleiteten Ethik, als vielmehr im Evangelium zu
finden) und die Konsequenzen der Wahrheit klar zu erfassen (und in der
Pädagogik zur Geltung zu bringen): Wir protestantische Christen
stehen nicht über dem Bekenntnis (s. H. Glöckner, Heft 4, S. 97,98),
sondern das Bekenntnis steht über uns, um damit allen so leicht
strauchelnden Subjektivismus abzuweisen.*) Wie viel freier und froher
*) Es ist schwer zu begreifen, worin H. Glöckner (Heft 4, S. 98) ihm wider
fahrene „Verunglimpfungen" findet. Merkwürdig! Ob er nicht sollte daran
gedacht haben, daß er dem Unterzeichneten unter anderem folgende Vorhaltungen
gemacht hat: 1. „Ignoranz oder Verleumdung" (siehe Jahrgang 1882, S. 326),
2. „schülerhafte Verstöße gegen die Logik" (s. S. 327, 328, 338), 3. „Überhebung"

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