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Thesen des Archidiakonus Kühl.
Ich: Mein Lieber, ich dächte, Sie hätten es bemerkt, daß ich ein
wenig hinter der Maske gestritten. Meine Stellung zu Herbart ist
ungefähr eine ähnliche wie die des M. Claudius zu Lessing, die sich in
dem Zeugnis ausprägte: „Lessings Kopf halte ich hoch, aber sein Credo
kann ich nicht annehmen" — und ich versichere, daß ich mit vollster
innerster Zustimmung das Resultat unserer Unterredung so zusammenfasse:
So wie es nur eine absolute (allein selig machende) Religion und ein
allein zutreffendes kirchliches Bekenntnis, das evangelisch
lutherische, der glücklich gefundene, namentlich durch die Arbeit des deutschen
Geistes gefunden, und darum ihm besonders konforme Ausdruck der vor
handenen Glaubenseinigkeit, gibt (Auf die Gottesfrage an die christliche
Kirche: „Glaubst du das?" antwortet diese in ihrem Bekenntnis:
„Ja, Herr, ich glaube" rc. Joh. 11, 26 und 27.): so gibt es auch
nur eine uns wahrhaft frommende Pädagogik, das ist die, die auf diesem
Grunde ruht und aus ihm allein ihre Hauptzielpunktc entnimmt.
Thesen
des Archidiakonus Kühl zu Greifenberg in Pommern
über das Zusammenwirken von Schule und Haus bei der Erziehung,
der Konferenz des Zweigvereins im Kreise Greifenberg vorzulegen, welche am
Abend des 18. Oktober zu Greifenberg i. P. stattfinden soll.
I. Zweck der Erziehung in Schule und Haus ist die Heranbildung des
Zöglings zu einem sittlich bestimmten Charakter.
II. Alle wahre Sittlichkeit ruht auf religiöser Grundlage. Daher
entspricht nicht die allgemein humane, sondern nur die spezifisch
christliche Erziehung der Erfüllung jenes Zweckes.
III. Vorbild, Wort, Gebet und Zucht sind die Mittel, durch welche
der Erzieher in Schule und Haus hauptsächlich zu wirken hat.
IV. In der Volksschule bildet der Religionsunterricht das Zentrum
aller Unterweisung; nur als solches verbürgt er ihr auch die Er
reichung des höchsten sittlichen Zieles an ihren Schülern.
V. Auch die höheren Schulen können jenes Faktors als wirksamsten
Mittels sittlicher Bildung nicht entraten.
VI. Aller Religionsunterricht muß konfessionell bestimmt sein.
VII. Unentbehrliches Mittel zur Erziehung ist eine christliche Schul
ordnung und eine straffe Schulzucht.

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