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Der Zweigverein Stettin im Jahre 1882.
kommen könne und die einzelnen Unterrichtsgegenstände, auch Rechnen
und Mathematik, von diesem Gesichtspunkte aus geprüft waren: erfolgte
nunmehr mit Rücksicht auf die Bildung der Jugend eine Durchmusterung
der Gebiete, auf denen die Phantasie zu freierer Bethätigung gelangt,
sei es, um der Wirklichkeit verschönernden Schmuck zu verleihen oder
dieselben zu Kunftgebilden im strengeren Sinne wiederzuspiegeln. Es
wurden berührt: Kleidung (Putzsucht), Ausschmückung der Zimmer (nicht
unwichtig für die Kinder z. B., welche Bilder sie an den Wänden täglich
vor Augen haben), Einfluß der Bauart der Häuser, der Ortschaften;
ferner Gebräuche und Sitten häuslichen, kirchlichen, staatlichen Charakters;
sodann das Spielen (wichtig u. a. die Frage, ob der Spieltrieb auch
der gereifteren Jugend genügend berücksichtigt wird); endlich Poesie,
Musik, Malerei (Zeichenunterricht).
Die Besprechung, für welche nur wenig Zeit übrig blieb, bezog sich
u. a. auf die Lektüre der Jugend. Die meist wunderbar geschäftige
Phantasie der Jugend bedarf zureichender Nahrung. In der Gewährung
derselben und in der Auswahl guten Lesestoffs liegt ein Hauptmoment
richtiger Pflege der Phantasie. Divisionspfarrer Gehrke spricht von
Beobachtungen, die er früher als Gefängnisprediger an Gefangenen hin
sichtlich der Ausartungen der Phantasie gemacht hat. — Bezüglich der
Sonntagsfeier wird nachdrücklich hervorgehoben, wie schon das Kind
an dieselbe gewöhnt werden müsse (besonders von Generalsuperintendent
Dr. Jaspis). Außerdem wird einiger Übelstände, wie sie im Betriebe
des Musikunterrichts häufiger vorkommen, gedacht.
In der Februar-Sitzung wurden Thesen vom Konsistorialrat
Brandt über „die normative Stellung des Katechismus im
Religionsunterricht" vorgelegt. Die Verhandlung leitete ein
kurzer Vortrag ein, welcher sich an die erste These schloß: Ziel des
Religionsunterrichts ist die Heranbildung des Kindes zur
selbstbewußten Teilnahme am kirchlichen Leben. Es konnte
nicht fehlen, daß bei der Besprechung dieses Zieles sich sofort eine leb
hafte Debatte entwickelte. In dieser spielten u. a. eine wichtige Rolle
die betreffenden Ausführungen der Allgemeinen Bestimmungen, die Kon-
sistorial- und Schulrat Dittrich heranzog und verteidigte, soweit sie
Anfechtungen erfuhren. Generalsuperintendent Jaspis betonte hinsichtlich
des Zweckes des Religionsunterrichtes das in dem Worte „selbstbewußt"
zur Andeutung gekommene Moment der Erkenntnis. Kenntnisse dürften
auch auf diesem Gebiet nicht unterschätzt werden. Hinzukommen müßte

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