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Magister femina.
König hat, der das Evangelium vorlebt, dann wird man im evangelischen
Glauben gewiß." Der Papst schwieg. Die Königin aber dankte Gott,
daß er gegen ihren Wunsch ihr Gelegenheit gegeben hatte, vor dem Papst
ein gutes Zeugnis abzulegen.
(Aus der Beilage zum Treptower Anzeiger: Kirchliches Wochenblatt von Pastor
Dr. E. Schultze in Labes.)
Magister femina.*)
Aus der Kindheit lichten Tagen
Strahlt ein Bild gar hell und klar,
Durch der Jahre lange Ferne
Leuchten mild zwei treue Sterne:
Mütterlein, dein Augenpaar.
Deine Hände führten treulich
Durch die Kindheitssorgen hin-.
Zeigtest mir den Vater droben,
Lehrtest lieben mich und loben —
Meine beste Lehrerin.
In der Knaben wildem Spiele,
Wenn der jugendliche Troß
Aus der Gasse tiefsten Pfützen
Über Sopha, Kissen. Spitzen,
Unbarmherzig sich ergoß —
Sagt, wer bändigte die Brüder,
Brachte wieder sie zur Ruh,
Bald mit Locken, bald mit Klagen:
„Wart', ich werd's dem Vater sagen!"?
Liebe Schwester, das warst du!
Zeit der Liebe! Zeit des Ringens!
Drinnen gährt's wie junger Most.
Ob der Geist die Fesseln sprenge?
Wird's fürs warme Herz zu enge?
Wer bringt Ruhe. Wahrheit, Trost?
Und schon naht sie. Ob sie schüchtern
Sinnig still erst seitwärts schaut:
Eine Lehrerin ist funden
Und die Sturmzeit überwunden!
Wer sie war? Die teure Braut.
Durch des Amtes Last und Sorgen,
Durch der Arbeit saure Müh'
Geht's mit Seufzen oft und Klagen:
Wer lehrt da uns tragen, wagen,
Unverdrossen spat und früh?
Wer erquickt die matte Seele?
Wer versorgt den müden Leib?
Wer lehrt uns aufs Wort parieren?
Wehrt nutzloses Opponieren?
Du. mein liebes, treues Weib.
Doch in schweren, ernsten Zeiten.
Wenn die Sonne sich versteckt,
Wenn uns Gram und Kummer beugen,
Wer will da den Lehrer zeigen,
Der uns Mut und Glauben weckt?
Dann schau ich in deine Augen.
Liebes Töchterlein! Und still
Lehren diese lieben blauen
Sterne, die ins Herz mir schauen,
Wieder rufen: Wie Gott will!
Drum, ihr lieben, treuen Seelen,
Die das ganze Leben lang
Uns als Lehrer treu beraten,
Gott behüte euch in Gnaden!
Nehmet eurer Schüler Dank!
Hoch auf die Frauen.
*) Trinkspruch des Pastors Ahlfeld-Kassel beim Festessen des II. Evange
lischen Schulkongresses, über welchen letzteren genaue Mitteilungen folgen sollen.

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