des Willenslebens unserer Schüler thun?
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vollkommene Einheit der Selbstbestimmung und Selbstbethätigung des
Menschen mit dem gottgesetzten Wesen und der gottgewollten Bestimmung
desselben, ist ein Ideal, das wohl dann erst ganz erreicht wird, wenn
„die Schwachheit um und an wird von uns sein abgethan." Auch an
Charakterbildung ist noch nicht zu denken; sie beginnt im Jünglingsalter
und vollendet sich in den Mannesjahren. „Es bildet ein Charakter sich
in dem Strom der Welt," sagt Goethe. Selbst daß ein Schulkind nach
Grundsätzen handele, wird niemand verlangen. Die sittliche Mündigkeit,
in welcher der Mensch sich selbst leitet und zurechnungsfähig wird, liegt
zum Teil jenseit der Schulzeit. Wir können nur die ersten, deshalb aber
gerade so wichtigen Grundlagen der Willensbildung pflegen. Unsere
Kinder stehen nämlich auf einer Entwickelungsstufe, wo die allgemeinen
sittlichen Anschauungen, die sie aus dem Familien- und Gemeindeleben
mitbringen, durch Unterricht und Schulzucht geläutert, gekräftigt, erweitert
werden und sich zu dem Streben nach bestimmten sittlichen
Zielen ausbilden sollen. Das allein kann Aufgabe der Willens
bildung sein, soweit sie in den Bereich der Volksschule fällt.
Und wie der sittlichen Entwickelung Grenzen gesetzt sind, so ist a u ch
derKreis d er Forderungen, an denen der Wille geübt wird,
ein enger. Beliebige Anlässe zu Willensentscheidungen absichtlich her
beiführen, hieße den Zufall, die Willkür und Laune zum Gesetzgeber
machen, wo allein eine über Erzieher und Zögling liegende sittliche Ord
nung Geltung hat. Die sittlichen Forderungen können demnach keine
andern sein als die, welche das Schulleben an die Kinder stellt. Schul
unterricht und Schulzucht sind also das Gebiet, auf welchem die Willens
kraft geweckt und geübt werden soll. In ihnen und durch sie muß sich
die vorhin erwähnte Verklärung des sittlichen Bewußtseins zu sittlichen
Entscheidungen vollziehen. Die Kind er sollen lernen wolle n, w as
das Schulleben und der dasselbe leitende Lehrer fordert.
Nach dieser vielleicht etwas langatmigen, aber — wie mich dünkt
— durchaus notwendigen Begrenzung meines Themas trete ich nun in
die Beantwortung desselben ein.
I.
Der Wille hat seine Wurzel in der Kraft der Seele, aus sich selbst
heraus nach einer bestimmten Richtung hin wirksam zu werden. Er ist
zunächst bloß Potenz. Der Anlaß zu seiner Bewegung geht von dem
Gefühl des Unbehagens aus, das mit der Hemmung des äußeren oder

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