452 Trenkel: Was können wir für die Hebung
inneren Lebens verbunden ist. Infolgedessen erwacht das Verlangen, über
den gegenwärtigen unbefriedigenden Zustand hinaus, in einen zusagenden
zu kommen. Worin der letztere besteht, das lehrt uns unsere eigene Er
fahrung: es ist die freie Entfaltung unseres eigenen Wesens, die unge
hemmte Entwickelung unserer Kraft und die damit verbundene Empfindung
des Wohlbehagens und der Förderung des Lebens. Die Psychologie
nennt die Regung „Trieb" und die Äußerung desselben „Begehren".
Wenn auch noch lange nicht vernünftiger Wille, so sind beide doch der
immer neue Anlaß und die notwendige Vorstufe zum Wollen. Daraus
ergibt sich für unsere Untersuchung als erste Forderung, daß jenes
Bedürfnis sich auszuwirken im Schulleben seine Befrie
digung finde, daß die Kinder in demselben haben, wonach sie sich im
Grunde selbst sehnen, daß sie durch dasselbe auf eine höhere Stufe des
Daseins gehoben werden. Und ich meine, es dahin durch unsere Schul
arbeit zu bringen, das steht doch vom ersten Schultage ab in unserer
Macht. Wenn der Vorstellungsverlauf des Schülers unter der Führung
eines methodisch geschulten Lehrers frisch vorwärts rückt, wenn er sieht,
was er bisher nicht sah, und verstehen lernt, was ihm bis dahin dunkel
war — thut sich ihm da nicht eine ungeahnte neue Welt auf? Wenn
aus kurz gesteckten Zielen die geistige Arbeit immer mit runden, reinlichen
Resultaten abschließt und so eine Frucht der Anstrengung sichtbar wird
— erwacht da nicht das Gefühl der geistigen Kraft? Wenn das Kind
veranlaßt wird, frisch und fest auszusprechen, was es gehört und begriffen
hat — entspricht das nicht dem natürlichen Verlangen, mitzuteilen, wo
von es voll ist? Wenn es verwerten lernt, was es begriffen hat, und
wenn bei dieser Arbeit alles so zurecht gelegt ist, daß es nur zuzugreifen
braucht, um etwas vor sich zu bringen — heißt das nicht seinen Thätig
keitstrieb befriedigen? Wenn so der Verlauf des Unterrichts wechselt
zwischen Nehmen und Geben, Reden und Thun, Einzel- und Chorarbeit
entspricht das nicht dem Wesen der Kleinen, deren Element Leben und
Bewegung ist? Das Auge des Lehrers ruht mit Wohlgefallen auf der
gelingenden Arbeit des Kindes, und es thut diesem so wohl, sich beachtet
zu wissen. Des Lehrers Blick fällt warm in das kleine Herz hinein,
und es fühlt, daß es noch andere Stellen gibt, als Vater- und Mutter
brust, wo Liebe um Liebe wirbt. In Weihestunden geht ihm der Blick
in eine höhere Welt auf, aus der ein mildes Auge herabsieht und eine
unsichtbare Hand sich segnend auf sein Haupt legt, und es wird ihm
gewiß: auch sein ist das Himmelreich. Gewiß, in dem allen erlebt das

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