des Willenslebens unserer Schüler thun? 453
Kind, daß Schule und Lehrer nichts nehmen, sondern etwas geben, und
daß sie, wenn sie etwas nehmen, dies durch höhere Güter ersetzen, daß
sie im Grunde nichts Anderes fordern, als wonach sein besseres Selbst
verlangt. „Das Wort, das ich dir gebiete, ist fast nahe in deinem
Herzen," sagte einst Moses, der Knecht Gottes, im Hinblick auf das
Gesetz zu dem alten Bundesvolke. Die Erfahrung kann auch im Schul
leben lebendig werden, und sie muß es, wenn anders der Trieb und das
Begehren zum Willen werden soll.
II.
1. Vom Wollen kann nur dann die Rede sein, wenn der Schüler
zu der Einsicht in die Erreichbarkeit dessen kommt, was ihm erwünscht
ist, und die letztere drängt sich ihm von selbst auf, wenn er wiederholt
die Erfahrung macht, daß sein Verlangen Befriedigung findet. Von
vornherein weiß kein Kind, daß es etwas kann. Erst wenn es die
Wahrnehmung gemacht hat, daß es etwas gekonnt hat, will es. „Wollen
ist Wissen vom Können", behauptet Volkmann, und ein Sprichwort
sagt: „Man kann, was man will, wenn man will, was man kann."
Die That ist also der Grund des Wollens, wie sie auch der Beweis
desselben ist. Wer demnach den Willen bilden will, der sorge
dafür, daß der Schüler möglichst schnell in die That ein
trete. Ohne That gibt es — vom pädagogischen Gesichtspunkte aus
angesehen — kein Wollen. Sie reißt den Menschen aus der sittlichen
Unbestimmtheit heraus und erschwert die Umkehr zu einem andern Wollen.
Man muß weiter wollen, wenn man sich vor sich selbst und vor andern
nicht lächerlich machen will, und das will auch ein Kind nicht. Zögere
einen Augenblick mit der Entscheidung, ob du zugreifen sollst oder nicht,
und die Willenskraft wird auf der Stelle stumpf. Die That reißt den
Willen auch mit sich fort. Ich erinnere in dieser Beziehung an die
Ausartung eines starken Willens, an den Starrsinn, der, in eine be
stimmte Richtung eingetreten, weiter will, auch wenn es ins Verderben
führt. Nie darf sich der Schüler also vor Möglichkeiten gestellt sehen,
so daß er nicht weiß, wohin er sich wenden soll. Ein Befehl, ein knapper,
fester, und dann blitzschnelle Ausführung desselben. Die Trennung des
Schulkommandos in einen ankündigenden und den Augenblick der Aus
führung bestimmenden Teil, sieht es nicht bloß auf Exaktheit im Thun,
sondern zugleich auch auf eine plötzliche Zusammenraffung des Willens
ab. Dem Vorsprechen folge sogleich ein frisches Nachsprechen, dem Vor

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