des Willenslebens unserer Schüler thun?
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Geschichtsunterricht Willensstärke, thatkräftige, zielbewußte Charaktere
zeichnet, so strömt in den Schüler immer etwas über von männlicher
Kraft. Wenn sich der Knabe ganz hineinlebt in ein Lied wie: „Mein
Arm wird stark und groß mein Mut," oder: „Ich bin vom Berg der
Hirtenknab'" oder: „Ich war ein kleiner Knabe, stand fest kaum auf dem
Bein," und wenn er dann singt und sagt von dem, was ihn erfüllt: da
blitzt das Auge, da wird das Herz fest, da regt sich ein starkes Gefühl
in seiner Brust. Wenn der Religionsunterricht zu der Erkenntnis führt,
daß das Gute nichts anderes ist als die Einheit des Willens mit den
Forderungen des göttlichen Gesetzes, und das Böse nichts anderes als der
Widerstreit beider; wenn der Schüler Gott den HErrn als den allgegen
wärtigen und allezeit unsichtbar nahen kennen lernt, vor dessen Augen
auch die geheimsten Falten des Herzens nicht verborgen bleiben; wenn
die Thatsachen der biblischen Geschichte zu einer Reihe lebendiger Vor
bilder oder ernster Warnungstafeln sich gestalten: so kann das der heil
samste Anstoß zu sittlichen Entscheidungen werden. „Kann", betone ich
nicht ohne Absicht. Denn, wer da glaubt, wenn der Zögling die Vor
schriften für sein sittliches Verhalten kenne, so werde er sie auch zum
Maßstabe für sein Wollen und Handeln machen, der vergißt, daß die
selben vorerst bloß allgemeine sittliche Grundsätze sind, die einem künftig
einmal eintretenden Wollen die Richtung geben sollen. Bei diesem bedarf
es immer wieder einer besondern Entscheidung für das Richtige. Letztere
wird aber um so sicherer eintreten, je kräftiger und tiefer das innere
Leben der Schüler durch den Unterricht angefaßt ist. In welchem Falle
hat nun der Unterricht diese Eigenschaft? Die tiefsten Eindrücke auf das
Gewissen — das ist das Ergebnis meiner eigenen Lebenserfahrung —
werden nicht durch gefühlige Paränesen oder durch einen wohlgesetzteu
Sermon ox cathedra hervorgerufen — über diese hilft sich bekannter
maßen der Schülerwitz in höheren Lehranstalten durch eine äußerst treffende
humoristische Metapher hinweg —, sondern durch einen kurzen ans Herz
greifenden Hinweis bei einem bestimmten Vorkommnis, also dann, wenn
das Leben selbst und in dem Zuspruche des Lehrers erlebtes Leben redet.
Thatsachen hat demnach die religiöse Unterweisung zu bringen, und zu
Thatsachen werden auch sittliche und religiöse Wahrheiten, wenn sie in
dem, der sie lehrt, eigenes Erlebnis geworden sind. Nur wer zeugt, der
überzeugt, und nur, wo der Religionsunterricht ein geweihtes Thun im
Hause und vor dem Angesichte Gottes ist, da dringt er an die tiefsten
Wurzeln des inneren Lebens.

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