des Willenslebens unserer Schüler thun?
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Hand, die sich nach ihm ausstreckt; es vermählt sich gewissermaßen der
vernünftige Wille des Lehrers mit dem schwankenden des Zöglings und
weist diesen auf die richtige Bahn.
Schwieriger ist es, den Schülern bei den zahlreichen Übertretungen
der Schulordnung beizukommen, die im Verborgenen geschehen. Manches
macht sich dem Lehrer bemerkbar; anderes ahnt er nur. In solchen
Fällen empfiehlt es sich, alle Hebel in Bewegung zu setzen, damit der
Schüler nicht erreiche, was er beabsichtigt. Nichts stimmt die Willens
kraft so herab als das Gefühl der Enttäuschung, nicht zum Ziele ge
kommen zu sein. Es vergeht dem Schüler die Lust, den als vergeblich
erkannten Versuch noch einmal zu wagen.
Dem Eigensinn, der Hartnäckigkeit, dem Trotze ist dagegen immer mit
Entschiedenheit entgegenzutreten. Der böse Wille muß gebrochen werden,
wie man zu sagen pstegt, d. h. die Äußerungen desselben in Wort und
That müssen zurückgedrängt werden. Gebrochen wird der Wille in solchen
Fällen nicht; im Gegenteil: die Kraft desselben wird verstärkt wie das
Expansionsvermögen der Luft, die auf einen kleineren Raum zusammen
gepreßt ist. Der Wille an sich soll auch gar nicht gebrochen, sondern
auf das Richtige gelenkt werden. Bei offenem Widerstande bin ich nicht
selten zum Ziele gekommen, wenn ich den Trotzkopf sitzen ließ und ihm
einige Zeit zum Besinnen gönnte, dann aber die frühere Forderung ruhig,
ja noch ruhiger wiederholte. Denn so wichtig es ist — wie ich mir
vorhin anzudeuten erlaubte —, daß das richtige Wollen gleich zur That
schreitet, so wichtig ist es, daß dem Verkehrten vor dem Eintritte in die
That Zeit zur Überlegung gegeben werde. Gelingt es dem Schüler, sich
zu überwinden, so ist in der That Großes erreicht, und man kann dann
wohl wahrnehmen, wie die Genugthuung sich auf seinem Angesichte aus
prägt: „Und folgsam fühlt' ich meine Seele am schönsten frei." Es
erfordert freilich ein solcher Fall von seiten des Lehrers ein großes Maß
von Selbstbeherrschung, und wie schwer diese ist, das brauche ich uns,
die wir alle Menschen sind, nicht erst zu sagen.
IV.
Der letzte Gedanke nötigt mich, zum Schluffe meinen Blick noch
dem Personleben des Lehrers und dem Einflüsse desselben
auf die Willenskräfte der Schüler zuzuwenden. Wenn bet
den Chinesen — wie ich einmal gelesen habe — für das Vergehen
kaiserlicher Zöglinge der Hofmeister gezüchtigt wird, so ist das ohne

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