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Kühl: Über das Zusammenwirken
bildung meist auf einen harten Gesetzesdienst hinaus; der Pietismus
suchte die Triebkraft der sittlichen Bildung vornehmlich in dem Gefühls
leben; die Aufklärungsperiode sah das Heil allein in der Aufhellung des
Verstandes; die Philanthropen machten die ethischen Forderungen zu
einer mit Honig überstrichenen Pille. Und die Wege der sittlichen
Bildung in der Gegenwart? Man verkennt nicht, was den
erwähnten Richtungen Berechtigtes beiwohnt. Seit aber in der Wissen
schaft ein Kant den menschlichen Willen zum Gegenstände seiner Unter
suchungen gemacht, ein Joh. Gottlieb Fichte auf Grund des ethischen
Charakters seines philosophischen Systems die Erziehung als „die sichere
und besonnene Kunst, einen festen, unfehlbar guten Willen zu erzeugen,"
definiert, ein Herbart nach den psychologischen Grundlagen der Er
ziehung gesucht und den Mittelpunkt der pädagogischen Bestrebungen in
einen erziehenden Unterricht gesetzt hat, — seit weiter im nationalen Leben
durch die Befreiungskriege das Bewußtsein deutscher Volkskraft erwacht
ist, und wir an der Eigenart der Besten und Bedeutendsten unserer Nation
erkannt haben, was ernste Selbstbeschränkung, strenges Pstichtgefühl,
Mannhaftigkeit und Tüchtigkeit vermag, — seit endlich die Überzeugung
allgemeiner geworden, daß jene wissenschaftlichen Untersuchungen und diese
Ergebnisse nationaler Entwickelung nur dann bleibenden Wert behalten,
wenn sie von den Lebenskräften des Evangeliums durchdrungen sind: —
seitdem weiß man, daß die Wege der sittlichen Bildung der Jugend durch
tiefes, kräftiges Gewissen, zielbewußtes, ernergisches Wollen und tapferes,
thatenfrohes Können führen.
Wie wir in dem engen Kreise der Volksschulbildung dieser Forderung
der Gegenwart gerecht werden können, das nachzuweisen, habe ich vorhin
den schwachen Versuch gemacht. Ich würde befriedigt sein, wenn die
Armut meiner Ausführungen den Reichtum der Kräfte ahnen ließe, welche
dem rechten Schulleben auch für die Hebung des Willenslebens beiwohnen.
Über das Zusammenwirken von Schule und Haus bei der Erziehung.
Referat des Archidiakonus Kühl zu Greifenberg i. P. für die dort am 18. Okto
ber 1883 abgehaltene Versammlung des Zweigvereins des Deutschen Evangelischen
Schulvereins im Kreise Greifenberg.
Es ist eine beklagenswerte, aber leider nicht seltene Erscheinung, daß
Eltern sich gegen die Schule, welcher sie ihre Kinder zuführen oder zu
gewiesen sehen, in hohem Maße gleichgültig verhalten, daß sie um den

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