von Schule und Haus bei der Erziehung. 463
ihren Kindern erteilten Unterricht sich wenig oder gar nicht, um. die in
der Schule geltenden Erziehungsgrundsätze und die von ihr zur An
wendung gebrachten Erziehungsmittel nur etwa dann sich kümmern, wenn
der Lehrer ihrer Meinung nach das ihm zustehende Züchtigungsrecht
überschritten hat, daß sie um geringfügiger Ursachen willen, wo es mög
lich ist, einen in seinen Folgen oft sehr bedenklichen Schulwechsel für
ihre Kinder eintreten lassen, daß sie dem Lehrer zürnen, der ihre Kin
der ernstlich zur Ordnung, zum Fleiß, zur Sauberkeit, zur Wohlan
ständigkeit anzuhalten bemüht ist, während sie andererseits stets geneigt
sind, mangelhafte Leistungen, ungenügende Fortschritte, sittliche Mängel
der Schüler nicht diesen, sondern den Lehrern zur Last zu legen.
Auf der andern Seite ist freilich auch die Schule nicht immer von
dem Vorwurf einer gewissen vornehmen Abgeschlossenheit gegen das Haus
oder eines Mangels an billiger Rücksichtnahme auf die thatsächlichen
Verhältnisse und berechtigten Ansprüche der Familie und somit nicht
gänzlich von der Mitschuld an jener gerügten Gleichgültigkeit von seiten
des Hauses freizusprechen. Daß aber bei solcher gegen einander gleich
gültigen oder gar feindlichen Stellung der beiden zur Erziehung der
Jugend gleichmäßig und gleichzeitig berufenen, wenn auch nicht gleich
mäßig an derselben beteiligten Faktoren die Zöglinge selbst den Schaden
haben, liegt auf der Hand, und so darf man nicht befürchten, daß die
Frage nach dem Zusammenwirken von Schule und Haus, die
wir jetzt behandeln wollen, in einem Kreise von Schulmännern und Freun
den der Schule unwichtig erscheinen werde. Es fragt sich nur:
1) inwiefern ist ein Zusammenwirken der genannten beiden Faktoren
nötig, und
2) inwieweit ist es möglich?
I.
Um die Erziehung handelt es sich; und zwar um diejenige Seite
derselben, an welcher Schule und Haus sich beteiligen, in bezug auf
welche ein Zusammenwirken beider möglich ist. Dadurch ist die Beziehung
auf die intellektuelle und ästhetische Bildung des Zöglings von vornherein
ausgeschlossen. Fehlt es auch dem Hause nicht an jeder Möglichkeit
einer Einwirkung in den genannten beiden Richtungen, so ist das Maß
derselben doch von der Stufe allgemeiner Bildung und geistiger Entwicke
lung bedingt, auf welcher dasselbe steht. Eine sittliche Verpflichtung kann
ihm in dieser Hinsicht nicht auferlegt werden. Anders verhält es sich

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.