von Schule und Haus bei der Erziehung.
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Es kann nicht unsere Aufgabe sein, die Notwendigkeit des Zusammen
wirkens von Schule und Haus in bezug ans die einzelnen Erweisungen
sittlicher Vollkommenheit, wie sie das christliche Bildungs-Ideal in sich
begreift, des nähern darzulegen. Nur im allgemeinen auf Grundlage,
Weg und Ziel hingewiesen zu haben, wird genügen. Wir wenden uns
daher nunmehr zu der zweiten Frage: Inwieweit ist ein solches
Zusammenwirken möglich?
II.
Die Einwirkung des Erziehers auf den Zögling ist wesentlich bedingt
durch die Autorität, mit welcher derselbe bekleidet ist. Diese ist im
Hause stärker als in der Schule. Die natürlich bedingte Abhängigkeit
der Kinder von den Eltern wird das Motiv zur sittlichen That des Ge
horsams. Gleichwohl hat die Schule die Aufgabe, diese Pflicht des
Gehorsams, der Ehrerbietung, der Liebe gegen Vater und Mutter als
eine heilige, von Gott ihm auferlegte, dem Kinde zum Bewußtsein zu
bringen, und je mehr es ihr gelingt, das vierte Gebot nach seinem
ganzen heiligen und verheißungsreichen Inhalt demselben ins Herz zu
prägen, desto besser sorgt sie zugleich für die Wahrung und Stärkung
ihrer eigenen Autorität, wie auf der andern Seite der Lehrer nicht schlimmer
sein Ansehen in den Augen des Schülers schädigen kann, als wenn er in
Gegenwart desselben tadelnde oder wegwerfende Äußerungen über dessen
Eltern sich erlaubt. Scenen wie diese: Schülerin: „Herr Lehrer, meine
Mutter sagt, solche Exempel brauchte ich nicht rechnen zu lernen." Lehrer:
„Sage deiner Mutter, davon verstände sie nichts" — beweisen auf der
einen Seite ebensoviel Mangel an pädagogischem Takt, wie auf der
andern an Bildung. Wie aber hier die Schule dem Hause, so ist auch
dieses jener gegenüber zu achtungsvoller Rücksichtnahme verpflichtet und
kann in mehr als einer Hinsicht das Ansehen des Lehrers in den Augen
der Kinder heben. Unwillkürlich werden diese den Lehrer achten und
lieben, von dem sie Vater und Mutter stets nur mit Liebe und Hoch
achtung sprechen hören.
Die Schule erzieht zur Ordnung und zum Gehorsam durch ihre
Ordnungen und Gesetze. Kann sie hierin auch nicht immer auf die
Wünsche nnd Bedürfnisse des einzelnen Hauses Rücksicht nehmen, so ist
doch dieses in jedem Fall verpflichtet, sich jenen zu fügen, und durch die
Willigkeit und Gewissenhaftigkeit, mit der es dieser Pflicht genügt, wird
es zugleich des Kindes Pflichtgefühl und Ordnungsliebe kräftigen und

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