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Kühl: Über das Zusammenwirken
pflegen. Es ist besser, daß ein Kind einmal nüchtern zur Schule gehe,
als das es sich gewöhne, Unpünktlichkeit für einen leicht verzeihlichen
Fehler zu halten.
Dasselbe gilt in bezug auf die Anforderungen, welche die Schule
an den häuslichen Fleiß der Schüler stellt. Die Volksschule wird
ja in diesem Stück mehr Rücksicht auf die häuslichen Verhältnisse und
Bedürfnisse der Familie nehmen können und müssen, als die höheren
Schulen, durch deren Beschickung sich die Eltern des freien Verfügungs
rechtes über ihre Kinder außerhalb der Schulzeit mehr oder weniger be
geben haben. Überall aber wird auch in bezug auf diese Forderungen
das Haus der Schule unterstützend zur Seite stehen können; nicht sowohl
durch die Nachhilfe, die es dem arbeitenden Schüler gewährt — denn
von solcher wird nur in den wenigsten Häusern die Rede sein können,
ohne daß sie mehr Nachteil als Gewinn brächte — sondern vielmehr
durch strenges Halten auf rechtzeitige und sorgfältige Anfertigung der
aufgegebenen Arbeiten. In jeder häuslichen Aufgabe, die einem Kinde
gestellt wird, liegt ja zugleich die Aufforderung zu einer sittlichen Leistung,
und der Einfluß, den hier das Haus durch seine Aufsicht übt, erleichtert
nicht bloß der Schule ihre Arbeit, sondern leistet zugleich der sittlichen
Erziehung der Schüler einen wesentlichen Dienst.
Ein sehr wichtiges und in den meisten Schulen und Häusern auch
recht langes Kapitel in der Erziehung bilden die Strafen. In rechter
Weise und zur rechten Zeit strafen, ist eine große aber schwere Kunst, um
nicht zu sagen Tugend, und jedenfalls nicht der schlechteste Prüfstein päda
gogischer Tüchtigkeit. Die Strafe kann sittlich fördernd, sie kann aber
auch demoralisierend auf den Zögling wirken, und die sie ausüben, sollten
sich darum in jedem Falle ihrer großen Verantwortung bewußt sein.
Aus demselben Grunde ist aber auch ein Zusammengehen und Zusammen
stehen von Schule und Haus grade hier ganz besonders wichtig. In
Wirklichkeit freilich pflegen grade in diesem Stück am häufigsten Diffe
renzen zwischen beiden hervorzutreten.
Es ist erklärlich, daß Belobung der Kinder und Anerkenung
ihrer Leistungen den Eltern ungleich leichter einleuchten,
als die Strafwürdigkeit. In letzterer Beziehung sind ver
möge der natürlichen Eigenliebe des men schlichen He rzens
die meisten Eltern sehr schwer von Begriffen, und selbst
der höhere oder geringere Bildungsgrad macht hier selten
einen Unterschied. So wenig sich die Schule dadurch beirren lassen

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