Der Zweigverein Stettin im Jahre 1882.
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gäste für die schwächlichen Knaben äußerte sich mannigfach, und es kamen
durch ein Konzert, durch Sammlungen re. nicht unbeträchtliche Summen
ein, so daß die Kinder das ursprünglich ausgeworfene Geld (75 Mark
pro Kind) nicht völlig brauchten, etwas über das Nötige hinaus hatten
und sogar ihren Geschwistern noch Geschenke mit heimbringen konnten.
Von auswärts führte das Interesse für die Sache manche Besucher her
bei, u. a. den Regierungspräsidenten Wegner, Landrat v. Köller, Ärzte,
Schulmänner, Geistliche. Besonders erfreulich war der Besuch des Land
gerichtsrats Krokisius aus Berlin, der als Vorsitzender des gemeinnützigen
Bauvereins eine bedeutende Summe für den Bau eines Ferienkolonie-
Hauses in Aussicht stellte. Die günstigen Erfolge, nicht nur in physischer
Hinsicht, waren augenscheinlich, wie sie sich in ähnlicher Weise auch bei
denjenigen Kindern, welche nicht gerade an der See untergebracht waren,
gezeigt haben.
In derselben Sitzung wurde noch vom Lehrer Drews über die
schon längere Zeit in Lehrerkreisen verhandelte Frage der Schulspar
kassen referiert. Die wichtigeren bisherigen Bestrebungen auf diesem
Gebiet fanden Erwähnung. Die Hauptbesprechung über diesen Gegen
stand erfolgte erst im Oktober.
In der September -Sitzung konnten Vortrag und Besprechung
über „die normative Stellung des Katechismus im Religions
unterricht" nach mehrmonatlichem Aufschub wieder aufgenommen und
zum Abschluß gebracht werden. Es lag vor die These: Auch für das
Gebiet des Ethischen bietet der Katechismus im Dekalog,
im Vaterunser und in der Haustafel Stoff und Rahmen.
Referent wandte sich zunächst gegen diejenige Behandlungsweise des
Dekalogs, welche denselben ausschließlich als Zuchtmeister auf Christum
erscheinen läßt. Dabei geht die ethische Selbständigkeit der zehn Gebote
verloren; letztere müssen aber mit ihrem: Du sollst! tiefe Wurzeln im
Gemüt des Kindes schlagen, und der verpflichtende Eindruck darf nicht
abgeschwächt werden. — Die Versammelten verkennen das Berechtigte
dieser Anschauung nicht, jedoch wird einerseits darauf aufmerksam ge
macht, daß man eben auch nicht zu einseitig verfahren dürfe. Das
Sündengefühl müfse früh geweckt werden (u. a. Generalsup. Dr. Jaspis).
Über das Wie? spricht mit besonderer Beziehung auf das vierte Gebot
Lehrer Sydow aus seiner Erfahrung. Anderseits kommen mancherlei
Schwierigkeiten zur Sprache, welche aus obiger Forderung erwachsen.
Solle das Gesetz nach seiner Erfüllbarkeit dargestellt werden, so müsse

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