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Der Evangelische Schulkongreß zu Kassel.
kommen: so soll uns das doch die Freude daran nicht nehmen, daß der
Span der Zwietracht, den der Teufel zwischen uns warf, um ein Helles
Feuer des Zornes anzuzünden, nicht Zündstoff genug vorfand, um bei
dem niederhaltenden Wehen des heiligen Geistes, das durch die Versamm
lung ging, wirklich auflohen zu können. Wahr ist es ja, vielleicht möchte
auch drüben mancher anders urteilen, wenn er unsere Verhältnisse im
Osten kennte, oder wenn er sähe, wie manch Lehrer nach geistlicher Schul
aufsicht zurückverlangt, wenn er einmal weltliche von einem Standes
genossen gekostet. Ja es würde sich wohl manch Kollege an Elementar
schulen eher über die geübte vielfache Aufsicht trösten, wenn er wüßte,
wie viel Aufsicht dem studierten Lehrer am Gymnasium zu teil wird.
Auch ließe sich manches davon schreiben, wie anders sich diese oder jene
Forderung ausnimmt, wenn man von schönen Idealen ausgeht, wie die
beredten Söhne des Rheinlandes, oder wenn man die wirklichen Verhältnisse
ins Auge faßt und mit den Mitteln rechnet, die man in der Hand hat.
Oder wäre es wirklich so leicht, junge Lehrer immer nur an mehrklassigen
Schulen unterzubringen, wie Herr Hogeweg an sich sehr gut fordert,
damit sie von einem erfahrenen Hauptlehrer Anweisung empfangen?
Werden sich nachher genug Lehrer finden, die aus den Städten aufs
Land hinaus wollen? — Ich glaube, erschöpft ist die Frage noch lange
nicht, und Pfarrer Zille ssens Referat wird, wenn es erst gedruckt vor
liegt, im Osten noch manchen wohlberechtigten Widerspruch erfahren.
Sei dem, wie ihm wolle — ich spreche hier nicht als Ordner des
Schulvereins, sondern gebe meine individuellen, unmaßgeblichen Gefühle
und Gedanken harmlos hin —: es war etwas Schönes und Großes, daß
so verschiedenartige Anschauungen wie die der Rheinländer und die der
Württemberger, die einmal als fast noch schlimmer denn die Pommern
bezeichnet wurden, nach einander laut werden konnten, ohne daß es zur
Zwietracht gekommen wäre, und daß hier einmal die Liebe Christi sich
stärker erwies als die Parteirichtung.
Wie wohlthuend war ferner der Protest eines so wissenschaftlich
hervorragenden und so feinsinnigen Mannes wie Professor Kramer-
Halle gegen den Materialismus und sein Bemühen, die Forschungen der
Naturwissenschaft mit dem christlichen Charakter der Schulen in Ein
klang zu bringen, nach der praktischen Seite ergänzt durch die einschnei
denden Bemerkungen des Direktors Alexi von Mülhausen i. E.
D. Baur hat vielen sehr gefehlt. Wie gerne hätte man ihm ge
lauscht, wenn er dem Programme gemäß über Luther gesprochen hätte!

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