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Christliche Gedanken über Herbart
„wissenschaftliche" Methode das Christentum. Die andern, die sich
vornehmlich als Anhänger Stahls zeigen, stehen auf dem „namemtlich
durch die Arbeit des deutschen*) Geistes gefundenen" evangelisch
lutherischen Bekenntnis; diese „evangelischen" Pädagogen begün
stigen ihrerseits die Wissenschaft: die „christliche" Philosophie.
I. Die Anhänger Herbarts.
Die Anhänger Herbarts begünstigen das Christentum durch eine
psychologisch vorbereitende Methode; sie wollen durch Trennung von Phi
losophie und Glauben dem letzteren nützen. Ritterlich wollen sie den
Glauben schützen gegen Pantheismus, Deismus und Materialismus. Der
psychologisch, d. i. für Verstand und Gefühl vorbereitete Glaube soll leicht
eingehen und begriffen werden. Dann aber soll er in gesicherter Ruhe
leben. Denn Herbarts Philosophie steht kampfbereit da, um mit über
legener Geistesklarheit alle feurigen Pfeile des Pantheismus re. wie mit
einem unverwundbaren Schilde nötigenfalls abzuwehren.
Indessen, bevor die Heilslehre begrifflich oder unterrichtlich gelehrt
wird, verkehren die Kinder — teils massenhaft durch die Lehrer an
geleitet, teils durch die Familie darin unterstützt — umgangsweise
mit dem Herrn Jesus. — Das eigentliche Ziel der Erziehung ist
„Charakterstärke der Sittlichkeit." Dies Ziel ist aber „natür
lich ein religiös-sittliches". Alles Ethische findet sein Spiegelbild in
der Religionslehre. Ich würde sagen: alles Ethische findet sein Ur
bild in der Religion, in unserm direkten persönlichen Gottesverhältnis:
mein Verhältnis zu Gott, den ich über alle Dinge lieben soll, als
das eigentliche ethische Verhältnis ist Grundlage, Voraussetzung,
und Korrelat für mein moralisches Verhalten zu den Menschen, die
Gottesliebe Urbild und Vorbild der Menschen- und Nächstenliebe.**)
„Sobald der Erzieher in der Gottheit das Ideal der Persönlichkeit
realisiert findet, ist jede ethische Forderung für ihn zugleich eine religiöse,
weil — auch Gott das Gute will." — Wie seltsam ist diese Aus
drucksweise! Fast klingt es, als sei letzteres das Sekundäre, als wenn
man sich freute, daß auch Gott moralisch sei.
„Wo ferner Charakterstärke der Sittlichkeit fehlt, kann es auch nicht
*) Hier kam mir ein Bedenken. Könnte man nicht auch sagen: „Durch die
Arbeit des heiligen Geistes an dem Gewissen eines deutschen Mannes"?
**) Vergl. hierzu Max Müller, Vorlesungen über Religion am Schluß,
Seite 4 30.

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