Der Zweigverein Stettin im Jahre 1882.
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schwer begeistern können sowohl wegen der praktischen Schwierigkeiten,
als auch aus tiefern Gründen; Sup. Hoffmann weist besonders darauf
hin, daß in dem Kinde gar zu leicht Mißtrauen gegen den Lehrer ent
stehen könne.
Zweiter Gegenstand der Tagesordnung war eine Besprechung der
praktischen Katechetik von Sem.-Dir. Schulr. Dr. F. W. Schütze*)
durch Superintendent Hoffmann. Derselbe beurteilte zunächst die
einleitenden Erörterungen des Buches, verweilte u. a. bei der Definition
der Frage und würdigte im Unterschiede von rein grammatisch-logischer
Bestimmung die katechetische Frage tiefer nach den bei ihr in Betracht
kommenden und für das Kind so wichtigen psychologischen Momenten.
Die Übung des durch die Frage aufgerufenen selbständigen Nachdenkens
ist an und für sich schon von großer Wichtigkeit, dazu kommt, daß das
Resultat einen weit höheren Wert hat, wenn es durch eigenes Suchen
gewonnen ist. Es gilt auch hier zu erwerben, um wahrhaft zu besitzen.
So tritt besonders die religiöse Frage in ein interessantes Licht, und
Referent erinnert von diesem Gesichtspunkte aus an die Fragen Christi
In der November-Sitzung wird diese Besprechung fortgesetzt. Unter
Bezugnahme auf einige für das katechetische Verfahren wichtige Begriffe,
wie Zergliederung, Entwickelung, erfolgt eine weitere Beurteilung des Buches.
Sodann begann die Verhandlung eines wieder für eine Reihe von
Sitzungen bestimmten Themas: Das Verhältnis des positiven
Protestantismus, insbesondere der evangelischen Schule,
zu Rom. Referent ist Prediger Katter. Derselbe will, um sich nicht
einer ungerechten Beurteilung Ronls schuldig zu machen, zunächst ge
flissentlich ins Licht stellen, was wir etwa der päpstlichen Kirche zu ver
danken haben oder was an derselben der Anerkennung wert scheint. Der
Referent giebt einen historischen Überblick über die allmähliche Ent
wickelung des römischen Kirchentums bis zu seiner mittelalterlichen
Höhe, indem er zugleich diese Entwickelung als eine naturgemäße dar
stellt, die auch höherer, gottgewollter Zwecke nicht ermangele, sondern
bestimmt gewesen sei, das Christentum in stürmischen Zeiten sicher zu
stellen und eine kräftige Missionsthätigkeit unter den neu auf den Schau
platz der Geschichte getretenen Völkern zu ermöglichen. Hiergegen wird
einschränkend geltend gemacht, wie bei jener Entwickelung auch mancher
*) Dies Werk des weithin rühmlich bekannten Verfassers, dem wir auch
die „Evangelische Schulkunde" verdanken, ist wie letztere bei Teubner in
Leipzig erschienen und kostet 5 M. Die Red.

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