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Christliche Gedanken über Herbart
im Namen des Evangeliums führen, auch thatsächlich mit der persönlich
vertretenen Subjektivität des Glaubens durchzukämpfen, welchen das
Evangelium und dessen lautere Verkünder uns lehren, und nicht mit
einem Wechselbalge der Philosophie oder Moral des natürlichen Menschen
unter christlichem Titel.
Nachschrift.
Und nun gestatten Sie mir ein Schlußwort. — Es ist mir immer
mehr zur Überzeugung geworden, daß in unserer „wissenschaftlichen"
Zeit der Glaube der Christenheit mehr oder minder daran krankt, daß
das Christentum fast durchweg als ästhetischer, intellektualistischer oder
ethischer Rationalismus aufgefaßt und dargestellt wird. Sowie der
Grundzug der Kirche zu Luthers Zeit jüdische Werkgerechtigkeit und
ethischer Pelagianismus war, so finden wir jetzt als durchgehenden
Grundzug einen Pelagianismus oder Semipelagianismus des Intellekts.
Mögen wir uns hinwenden zu den Kreisen einer mit Absicht und Be
wußtsein raüonalisierenden Theologie oder zu den Theosophen und Offen
barungsphilosophen, oder nehmen wir ein oder zwei orthodoxe Zeit
schriften: eine der besten apologetischen Zeitschriften nennt sich selbst:
Beweis des Glaubens — nach Hebräer 11, 1 eine contradictio in
adjecto. In einer andern orthodoxen Zeitschrift findet man die Meinung:
es gebe einen stringenten Beweis für das Dasein Gottes. Wir stehen
also, ehe wir es uns versehen, auf dem Standpunkte der naiven Scholastik
und des Anselmischen Bestrebens: „rationabili necessitate intellegere:
esse operiere omnia illa, quae nobis fides catbolica de Christo
credere praecipit.“
* *

Als ich vor einigen Tagen in unserem Evangelischen Monatsblatte,
Jahrgang 1883, S. 431 und 432, den dort citierten Passus von Stahl
über die christliche Philosophie zu Gesichte bekam, mit der Bemerkung
eines: „dagegen lasse sich wohl kaum eüvas einwenden", und als ich
ebendort las: Stahl statuiere Einheit der beiden „Wissenschaften"
der Theologie und Philosophie, wenn sich der Inhalt der
christlichen Offenbarung, als Hypothese in der Philosophie ange
nommen, in derselben durch Prüfung als richtig erweise und dann
gewußt werden könne, wie dies auf dem Gebiete der Moral bereits
geglückt sei: die Philosophie soll zwar die wahre Weltanschauung aus
sich selbst nicht haben finden können, aber, nachdem die letztere einmal
gegeben sei durch das Christentum, nehme die Philosophie den Offen

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