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Wille: Über das Zusammenwirken
Ritter Toggenburg nach den Fenstern der Glaubensburg — aber mit
der Bigamie ist es aus und der Augiasstall der Günstlings- und Mätressen
wirtschaft muß ausgereinigt werden durch den Strom der lauteren
Glaubenseinfalt. Denn die „gläubige" Philosophie ist ebenso ein Unge
heuer wie der „christliche" Staat in strengem Sinn, wie uns die
Exempel des römischen Kirchenstaates und des „orthodoxen" russischen
Staates mit ihren inneren Zuständen über solche „heilige" Allianz belehren.
Martini.
Korreferat des Lehrers Wille in Wisbu zu: Kühl: Ueber das
Zusammenwirken von Schule und Haus bei der Erziehung.
Hochgeschätzte Herren und werte Freunde!
Erlauben Sie mir zunächst einige kurze Vorbemerkungen.
Ungern habe ich mich der gestellten Aufgabe unterzogen, vor dieser
Versammlung meine Laiengedanken über den beregten Gegenstand aus
zusprechen, und noch schwerer ist mir die Arbeit durch den bedauerlichen
Umstand geworden, daß es mir nicht vergönnt war, die Arbeit des Herrn
Referenten vorher einzusehen. Nach den Andeutungen, die mir Herr
Prediger Kühl über den eingeschlagenen Gedankengang bei der Bearbeitung
des Themas freundlichst gab, — vor wenigen Tagen erst — weiß ich
nicht, was ich anderes, geschweige denn Besseres über die Sache sagen
könnte. Und so hat mir lediglich der Gehorsam gegen den Herrn Vor
gesetzten die Feder in die Hand gedrückt.
Das war das eine. Und nun das andere. Ich habe das Thema
mehr vom praktischen als vom theoretischen Standpunkte aus angefaßt,
und zwar in der Art, daß bei der Andeutung der Gedanken in einzelnen
Sätzen die aphoristische Form gewählt ist. Die Gründe hierfür liegen
ziemlich auf der Hand. Dann habe ich als Volksschullehrer in ländlichen
Verhältnissen von der Allgemeinheit absehen und mehr oder weniger ein
seitig werden können und — müssen. So ist mir auch nur die spezifisch
protestantisch-christliche Schul- und Hauserziehung vor Augen gewesen.
Ich schließe diese Vorbemerkungen mit dem Wunsche, daß die nach
folgend gebotenen Gedanken, wenn sie auch durchaus nicht originell und
erschöpfend sind, doch ein Beitrag zur Erschöpfung des Themas und An
regung zu einer lebhaften Diskussion sein mögen, und mit der Bitte, daß
an die Leistung des Ungelehrten und Laien nicht der Maßstab der Wissen
schaft gelegt werde. Und nun zur Sache selbst.
Meine Formulierung des Themas lautet einfach:
Das Zusammenwirken von Schule und Haus bei der Erziehung.

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