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Der Zweigverein Stettin im Jahre 1882.
schlechte Hebel wirksam gewesen sei und wie man sich damit begnügen
müsse zu sagen, daß sie sich unter göttlicher Zulassung vollzogen habe
(Konsistorialrat vr. Kr ummach er), wie ferner die Ausbreitung des
Christentums bei den germanischen Völkerschaften zunächst gerade nicht un
mittelbar von Rom ausgegangen sei, z. B. bei den Goten und auch in
den Gebieten östlich vom Rhein, welche letzteren erst später durch Boni-
fatius unter die Hand Roms gebeugt seien. Sup. Ho ff mann hebt
hervor, daß eine persönliche Spitze der christlichen Kirche an
und für sich noch nicht als unevangelisch angesehen zu werden brauche.
Dezember-Sitzung. Der Referent, Pred. Katter, spricht weiter
hin über die Segnungen des Kloster Wesens in älteren Zeiten und ver
liest aus G. Freytags Bildern aus der deutschen Vergangenheit einen
bezüglichen Abschnitt. — Hierauf wird entgegnet, die hohe Bedeutung
des älteren Klosterwesens sei allerdings unverkennbar, indessen sei nicht zu
übersehen, daß Rom dieses weniger hervorgerufen, als vielmehr nur unter
seine Gewalt gebracht habe. Gymnasiallehrer Meinhof führt aus, wie
das, was wir jetzt dem Klosterwesen besonders danken, Pflege der Wissen
schaft und in Verbindung damit die Erhaltung wichtiger Werke des Alter
tums, etwas sei, was zu der Idee des Mönchtums mehr nur hinzuzu
kommen sei und mit der Unnatur desselben nicht auszusöhnen vermöge.
Anerkennung findet für die heutige Zeit die Thätigkeit der barmherzigen
Schwestern, deren Institutionen und Wirken darum auch mit Recht auf
evangelischer Seite durch die Einrichtung der Diakonissen-Anstalten
Nachahmung gefunden hätten. Referent berührt ferner die eifrige kirch
liche Fürsorge in der katholischen Kirche, und Lehrer Gr ulke schildert
aus eigener Beobachtung, in welchem Maße diese den unter Evangelischen
zerstreut lebenden Katholiken zu teil werde. — Referent bringt, ohne
seiner eigenen Überzeugung damit Ausdruck verleihen zu wollen, schließ
lich die oft gerühmte pädagogische Weisheit der römischen
Kirche zur Sprache. Die evangelische Kirche scheine manchem den Be
dürfnissen der Menschen nicht genügend entgegen zu kommen, den von
Verlangen zum Guten Erfüllten, aber noch Schwachen, zu sehr auf sich
selbst zurückzustoßen und gleich einen zu hohen Standpunkt zu verlangen.
Obgleich hiergegen, soweit es die Zeit noch gestattete, sofort Einwendungen
erfolgten, so soll dieser tief greifende Punkt in der Januar-Sitzung 1883
noch weiter zur Besprechung gestellt werden.

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