von Luthers Geburtstag.
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Der Protestantenverin hat von Berlin aus eine Ansprache erlassen
an die „protestantischen Brüder", in welcher von „Wahrung der Ehre,
der Rechte und der Freiheit des Protestantismus" viel die Rede ist.
Wo bleibt das Bekenntnis und die Lehre, „Gottes Wort und Luthers
Lehr"? Ist das zum alten Eisen zu werfen, und sind die Ehre und
Freiheit rc. unsere Heiligtümer und Kleinode? Mit der Ehre rc. hat
Luther nicht gesiegt, sondern mit seinem Zeugnis von der Gnade Gottes
allein in Christo, dem „Sohn des Vaters Gott von Art, der ein Gast
in der Welt hie ward", daß er durch seinen Tod und Auferstehen das
Heil erwürbe. Man redet von dem „Unwillen über die römische Inso
lenz", der auch in unseren Kreisen sich endlich rege. Wir kennen ihn
wohl, den alten Feind und brauchen an Apologie und Schmalkaldische
Artikel nicht erst durch jene „Protestanten" erinnert zu werden; wir sind
wohl auch ohne diese ziemlich mit jenem Zeugnisse unserer Kirche ver
traut. Aber wir wissen auch, daß Aufklärung und Freiheit und Neu
protestantismus nicht das Zeichen sind, unter dem wir siegen sollen,
sondern das Bekenntnis, daß jene eine „Fessel" nennen. Und wenn sie
keine besseren Waffen haben gegen Rom zu streiten, als ihr „Christen
tum Christi", wie sie es zu nennen lieben, so fürchten wir sehr, sie wer
den sich mit allen stolzen Reden, die sie führen, mehr blamieren, und
uns mit, als daß sie Siege gewinnen. Wenn man Luther feiern
will, so soll man ihn feiern, wie er gewesen ist, nicht wie
man ihn haben möchte: den treuen, festen und wahrhaftigen
Zeugen der Verkündigung Pauli und der anderen Apostel.
Damit hat er die Herzen unseres Volkes gewonnen und eine neue Zeit
der rechten „evangelischen Freiheit" herausgeführt. Dies Gedächtnis zu
erneuern, ist wohl der Mühe wert, und Gott gebe, daß es dazu diene,
die Herzen der Kinder zu bekehren zu den Vätern.
Aber wenn man römischerseits zu den Vorbereitungen aus jene
Feier keine andere Stellung zu nehmen weiß, als daß man erregte Ar
tikel „wider die Hetzer" in die Welt schickt, so ist das eben so thöricht
als unrecht. Denn das könnte man sich selber sagen, daß man damit
die Bewegung nicht aufhält, sondern nur fördert. Haben sich die Römischen
über einzelne Rücksichtslosigkeiten zu beklagen, so wird ihnen nur in
Scheidemünze zurückgezahlt, was sie in harter Münze reichlich aus
gegeben haben. Und ist ihnen die Bewegung unangenehm, welche unser
Volk in weiteren Kreisen ergriffen hat, so haben sie es selbst verschuldet.
Man wird uns nicht vorwerfen können, daß wir „Hetzer" sind und

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