42 Zur Vorbereitung auf die Jubiläumsfeier von Luthers Geburtstag.
Hader schüren. Aber wenn Friede und Eintracht unter uns herrschen
soll, so muß man auf jener Seite sich eine andere Sprache und Kampfes
weise angewöhnen, von oben an, von der höchsten Stelle an bis herab
zu den geringen Pamphletschreibern. Man muß nicht die evangelischen
Missionare in Encykliken als solche bezeichnen, „welche die Herrschaft des
Fürsten der Finsternis auszubreiten trachten", und den „Protestantismus"
als eine Grundsuppe aller Schlechtigkeiten proklamieren. Und man muß
nicht Luther unserem Volke malen als einen von allen Leidenschaften
zerwühlten und zerrissenen nichtswürdigen Menschen, der die Schmach
und das Verderben unseres Volkes gewesen. Und wenn es unberufene
und unwissende Schreiber und Schreier thun, so muß man solche Reden
nicht dulden, und man kann es wehren, wenn man will. Denn der
gleichen läßt sich unser Volk nicht bieten; dafür ist ihm Luthers Ge
stalt und Art zu sehr ans Herz gewachsen und sein Stolz und seine
Freude, und mit Recht. Denn so viel man an ihm auszusetzen haben
mag, und so gern wir zugestehen, daß er manches Wort, das er ge
sprochen, und manche Derbheit hätte lassen können: trotz alledem und
mit allen seinen Fehlern ist er doch der größte Sohn unsers
Volkes, in welchem seines Geistes Art und Sinn sich dar
stellt wie in keinem anderen; für die Kirche aber war er ein aus
erwähltes Rüstzeug, für das wir stets Gott Dank zu sagen Grund
haben. Und auch die sein Zeugnis verwerfen, haben Anteil an den Ge
winn, den sein Werk allen gebracht hat, die im Umkreis seiner Wirkun
gen stehen. Er hat der halben Welt eine neue Seele ge
geben.
Wir aber, die wir wissen, was sein Zeugnis der Kirche Jesu Christi
bedeutet, und was wir an demselben haben, wollen sein Gedächtnis uns
dazu dienen lassen, uns und unser Volk zu erinnern an die Gnade
Gottes, die uns widerfahren ist, daß der lautere Strom des Evangeliums
uns wieder fließt und „seine Bäche die Stadt Gottes erquicken". „Und
kein Einwohner wird sagen: ich bin schwach. Denn das Volk, so drinnen
wohnet, wird Vergebung der Sünden haben" (Jesaias 33, 24). „Wo
aber Vergebung der Sünden ist, da ist auch Leben und Seligkeit." Das
ist Luthers Predigt und unser Trost und unsere Freude.

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