Abermals Herbart und Herbartianer.
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S. 332. Es ist wahrhaft beklagenswert, wenn ein christlicher Lehrer
behauptet: „Kleine Kinder (d. i. 6—8jährige) können nicht aus eigener
Erfahrung ihre Zustimmung dazu geben, daß sie arme Sünder sind!"
Der Herr Christus ist ganz anderer Meinung, und die „Erfahrung"
(vgl. S. 322) bestätigt es, daß er recht hat, wenn er bezeugt, daß kleine
Kinder glauben (Matth. 18, 6; Marc. 12, 15; Luc. 13, 17 rc.) Der
Artikel von der „Sünde" ist eben auch Glaubensfache! Allerdings ist
zwischen dem Glauben eines Mannes und dem eines Kindes ein Unter
schied, denn der Glaube ist auch etwas Werdendes, und der ist ein
recht gläubiger Christ, der es von Tage zu Tage (mit Hülfe des heil.
Geistes) mehr wird.
S. 332 u.: Mißverständnis! Meine Meinung: Beim „Gesinnungs
unterricht erst das Herz, dann der Kopf!" Und „biblische Geschichte
von Anfang an eine bessere Grundlage des Gesinnungsunterrichtes" als
Märchenstoffe!
S. 333. Wer wollte nicht dem hier von Ziller Gewünschten freudig
zustimmen!
S. 334. Also „erst Einsicht in das Gute auf Grund selbst
thätiger Urteile" rc. Wirbel!
S. 335. Herbart wäre „gänzlich mißverstanden?" O nein! Denn
meine Meinung, noch einmal unpräziser gesagt: Die Befürchtung Herbarts
„daß bei fortdauerndem Hinheften des Geistes aus den einen Punkt (das
Göttliche), der als das Höchste ferner nicht mehr erhöht werden kann,
die Idee verunstaltet, ja zum Gemeinen und Langweiligen herabgezogen
werden könne" widerstreitet der Lehre der heil. Schrift und der christ
lichen Erfahrung. Die Lehre der heil. Schrift: „Wohl dem, der Lust
hat zum Gesetz des Herrn und redet von seinem Gesetz Tag und Nacht"
(Pf. 1) *) „Meine Seele dürstet nach Gott rc." (Pf. 42). „Wie habe
ich sein Gesetz so lieb! Täglich rede ich davon" (Ps. 119). „Betrachte
das Buch dieses Gesetzes Tag und Nacht." (Jos. 1, 8). „Alles, was
*) Unter dem Gesetz des Herrn (vgl. S. 323 des Protestes) ist auch hier
seine ganze Offenbarung verstanden, in welcher mehr als das gebietende, drohende
verdammende Gesetz, in der auch im alten Testament schon dem Anfange nach
Gottes Gnade und die Vergebung der Sünden verkündigt wird (s. Ps. 119).
Ist ein Mensch „ein Knecht des Herrn" geworden, hat er von ihm Vergebung
der Sünden empfangen (s. Ps. 32. 103), so wird es ihm eine Freude, das Ge
setz, das früher ihm drohte und verdammte, nachdem er seine Schönheit erkannt
hat, zu üben." (v. Gerlach.)

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