und der fremden Namen in der Geographie.
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Der Hauptlehrer aber und der Pfarrer im Konfirmandenunterrichte haben
diesen Eigennamen stets auf der drittletzten Silbe betont. Wer soll hier
endgültig entscheiden, was das richtige ist? Nach welchem Prinzip soll
überhaupt die Aussprache erfolgen? Für das alte Testament wäre ja
die Betonung nach dem hebräischen Worte die richtigste. Wäre sie
aber konsequent durchzuführen? Schon deshalb nicht, weil wir die meisten
Eigennamen schon nach unserm deutschen Geschmack verändert haben.
Zur weiteren Illustrierung des Übelstandes erinnere ich noch an Namen
wie Jeremias und Jesajas. Da sagen die einen: Jesa'ias, Jeremias,
die andern: JesLjas, Jeremias.
Nicht anders ist es im neuen Testamente. Hier ist wohl das be
denklichste Wort: Kapernaum. Die meisten betonen auf der drittletzten, viele
auf der vorletzten, solche, die es besonders schön machen wollen, auf der
letzten Silbe. Ähnlich ist es bei Namen wie Galater, Epheser, wo auf
dritt- oder vorletzter Silbe betont wird. Wenn nun die Kinder eine
fünfklassige Volksschule absolvieren müssen, und fast in jeder Klasse diese
Namen verschieden ausgesprochen werden, ist dies nicht für das Schul
kind höchst mißlich? Leidet nicht darunter die Autorität des Lehrers,
vielleicht sogar diejenige der Bibel? Soll aber der Geistliche als Lokal
schulinspektor Remedur schaffen und eine bestimmte Aussprache vorschrei
ben, während er doch in dieser Beziehung mit seinem benachbarten Amts
bruder auch noch nicht ganz übereinstimmt?
Ich denke: ein Notstand liegt hier vor. Vielleicht kann gerade der
so weit sich ausbreitende Deutsche Ev. Schulverein die Anregung geben,
daß der Beseitigung desselben näher getreten und eine Einigung auf
diesem Gebiete angestrebt wird.
Lissa, Kreis Görlitz. A. Kolde, ev. Pfarrer.
Der Ordner des Vereins bittet herzlich, der gegebenen Anregung
zu folgen und kürzere oder längere gutachtliche Äußerungen zur Sache
ihm einzusenden. Für zweckmäßige Verarbeitung des Eingehenden soll
gesorgt werden. Bei dieser Gelegenheit sei auch gefragt: Salome oder
Salome? Samäria oder Samarla? Epiphanias oder Epiphanias
(griech. eiag), oder lieber vielleicht Epiphanien und so auch Samarien?
Zugleich erinnern wir an die in unserem Vereine aufgeworfene, aber
noch unerledigte Frage, wie die geographischen Eigennamen zu
sprechen sind. Die letzte pommersche Direktoren-Konferenz hat in bezug
darauf einstimmig beschlossen: Wo unsere Sprache mit den frem
den Wörtern lautliche Veränderungen vorgenommen hat,

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