58
Dr. Baur,
soll überall die deutsche Aussprache festgehalten werden
(z. B. Neapel, Paris u. s. w.). Eine zweite These „Es ist empfehlens
wert, übrigens die französischen Namen unbedingt, die anderen fremdlän
dischen, soweit wie thunlich, orthographisch aussprechen zu lassen und
sich dabei nach dem eingeführten Lehrbuche zu richten" fand eine Majo
rität von 15 gegen 7 Stimmen. Sollte letztere These auf Seminaren
oder gar in Volksschulen durchführbar sein?
Ernst Moritz Arndt als Freund der deutschen Jugend.
(Aus dem Vorwort der fünften Auflage von Arndt's Leben
von Hofprediger D. Baur.)
Manchmal in den letzten Jahren wollte sich auch bei uns die Klage,
die einst Schiller ausgesprochen, auf die Lippen drängen: „Nur das Alter
ist jung, ach! und die Jugend ist alt." Lustbarkeit ohne Freude, Genuß
ohne Begeisterung, Geselligkeit ohne Freundschaft, Reisen ohne Wanderung,
Lernen ohne Erkenntnis, Freude am neuen deutschen Reich ohne den alten
deutschen Sinn; — keine Pietät und keine Poesie, kein Glaube und kein
Himmelsflug; — oberflächliches Reden und verstimmtes Schweigen,
Simtenrausch und Weltschmerz, — das waren die bedenklichen Züge,
die wir hier und da auf dem Angesicht der Jugend zu bemerken glaubten.
Man sagt, die Jugend werde in diesen Tagen wieder jung und mit
doppeltem Flügelschlage rausche ihre Begeisterung für Gottes Reich.
Kein besserer Jungbrunnen als die Geschichte der großen Zeiten unseres
Volkes mit ihren großen Männern. Eine größere ist nicht gewesen als
die Zeit unserer Befreiungskriege. Damals schlugen alle Gluten vergan
gener Jahrhunderte in einer Flamme zusammen. Tiefgrabende Männer
der Wissenschaft gruben das Urbild des deutschen Volks aus den ältesten
Urkunden der Sprache und Dichtung, des Rechts und der Sitte hervor. Auch
auf den Trümmern des tausendjährigen deutschen Reiches predigten, von
den Erinnerungen an die große Kaiserzeit ergriffen, in dem Glauben, der
eine gewisse Zuversicht ist des, das man hofft, die besten Männer vom
Kaiser und vom Reich. Unter Gottes Züchtigung und Gottes Wunder
that ward der Glaube der Reformatoren wieder lebendig. Während der
tiefsten Erniedrigung des politischen Lebens blühte ein Geisterfrühling
wie nie zuvor. Im Kampf mit dem Erzfeind fühlte sich das Volk als
Volksperfönlichkeit in seiner ureignen Art. Der Erfolg war damals nicht
so groß als im letzten großen Kriege; aber die Gesinnung war mächtiger.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.