Ernst Moritz Arndt als Freund der Jugend. 59
Die Siege wurden nicht so rasch erfochten; aber um so tiefer waren die
Furchen, welche die göttliche Pflugschar im Gemüthe des deutschen Volkes
gezogen. Das Reich ward noch nicht hergestellt; aber in die Sehnsucht
der Jugend grub sich sein Bild unauslöschlich ein. Und was 1870 und
1871 geschah, war eine späte Ernte, die Gottes Sonne aus der Saat
der Befreiungskriege reifen ließ. Diejenigen werden am besten verstehen,
warum unter Preußens Führung Alldeutschland gegen den dritten Napo
leon so glänzende Siege erfochten, die aus der Geschichte am genauesten
wissen, was Preußen gegen den ersten Napoleon für Attdeutschland gethan
und wie geflissentlich die Vertreter der Großmächte Preußen gehindert,
seine deutsche Sendung zu erfüllen. „Seht, da kommt der Träumer her,
kommt, laßt uns ihn erwürgen, da wird man sehen, was seine Träume
sind", so klang fast die Sprache der neidischen Brüder. Endlich ist der
Träumer aus seinem Traum vom deutschen Reich erwacht und hat sich
wieder breit und fest, mit Schild und Schwert, in die Weltgeschichte
gestellt. Was wir heute sehen, die Befreiungskriege haben es uns schon
geweissagt.
Kein anderer Mann ist, in welchem jene Zeit so volle Gestalt gewon
nen, als Ernst Moritz Arndt. Eben darum war er immer der Liebling
der deutschen Jugend. Die mächtigen Losungen, die er ausgegeben, klin
gen fröhlich in ihr fort: „Der Gott der Eisen wachsen ließ, der wollte
keine Knechte" — „Die Freiheit und das Himmelreich gewinnen keine
Halben" — „DerRhein Deutschlands Strom, nicht Deutschlands Grenze"
— „So weit die deutsche Zunge klingt und Gott im Himmel Lieder
singt — das soll es sein, das soll es sein, das, wackrer Deutscher, nenne
dein!" Einen edlen Hauch haben auch seine geselligen Lieder. Seine
Heldenlieder in: besten Volkston werden mit Jubel gesungen. Das Lied
vom Schill: „Es zog aus Berlin ein tapferer Held", das Lied vom
Blücher: „Was blasen die Trompeten? Husaren heraus!" Weihe zum
Dienst für das Vaterland senkt sich auf das Haupt des Jünglings unter
dem Gesänge: „Er legt sein Schwert auf den Altar und schwört zum
Himmel treu und wahr", ernste Mahnung wird ihm das Lied: „Wer ist ein
Mann? — Der beten kann." Und in der begeisternden, heiligenden
Wirkung ist kein anderes der Lieder, welches die deutsche Jugend bei
ihren festlichen Versammlungen singt, dem Bundeslied zu vergleichen:
„Sind wir vereint zur guten Stunde, wir starker deutscher Männerchor,
so dringt aus jedem frohen Munde die Seele zum Gebet hervor!" —
das Bundeslied mit dem Preise des Gottes vor allem, der groß und

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