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Verhandlungen des Berliner Lokalvereins
sei geradezu eine Versündigung an unserer Jugend, und es gewänne fast
den Anschein, als ob die Berliner Gemeindeschulen eine Versorgungs
anstalt für die Töchter gewisser Bevölkerungsklassen auf Kosten der
Lehrer wie der Schulkinder bildeten.
Da sich nach Schluß dieses Referates niemand zur Generaldebatte
zum Wort meldete, so ging der Vorsitzende zum nächsten Punkte der
Tagesordnung, einem von ihm selbst zu erstattenden Referat über das
jüdische Element in den Berliner Schulen, über. Redner er
klärte zunächst, daß es ihm leider nicht möglich gewesen sei, über alle
sein Thema betreffenden wissenswerten Punkte die erforderlichen Auf
schlüsse zu beschaffen, da der Magistrat in allen seinen amtlichen Publi
kationen über die konfessionellen Verhältnisse der Lehrer und Lehrerinnen
ein im höchsten Maße befremdendes, ja fast geflissentlich erscheinendes
Stillschweigen beobachte, während doch über die konfessionellen Verhältnisse
der die Schulen besuchenden Kinder die genauesten Mitteilungen gemacht
würden. Die von ihm mitzuteilenden Zahlen hat Redner teils dem
amtlichen Verwaltungsberichte der städtischen Schuldeputation für das
Jahr 1881, teils dem „statistischen Jahrbuche der Stadt Berlin für das
Jahr 1880" entnommen, wodurch allerdings eine gewisse, aber doch
immerhin nicht allzu erhebliche Ungleichheit der Zahlenangaben entstanden
ist, die freilich durch den Umstand, daß das statistische Jahrbuch für 1881
noch nicht vorliegt, unvermeidlich wurde.
Nach dem Berichte der städtischen Schuldeputation existierten im
Jahre 1881 in Berlin: vier Königliche Gymnasien mit 58 Klaffen und
2295 Schülern, unter denen sich 433 Juden befanden; ferner ein König
liches Realgymnasium mit 15 Klaffen und 594 Schülern, von denen
28 jüdischer Religion waren; sodann zwei Königliche höhere Mädchen
schulen mit 21 Klaffen und 972 Schülerinnen, von denen 171 Jüdinnen
waren, und an den vier Königlichen Gymnasien 21 Vorschulklassen mit
993 Schülern, von denen 174 der jüdischen Religion angehörten. Diesen
Königlichen Anstalten standen als städtische höhere Lehranstalten gegen
über: zehn Gymnasien mit 145 Klaffen und 5380 Schülern, worunter
1310 Juden; sieben Realgymnasien mit 98 Klaffen und 3645 Schülern,
worunter 397 jüdischer Religion; zwei Ober-Realschulen mit 29 Klaffen
und 1037 Schülern, von denen 47 der jüdischen Religion angehörten;
vier höhere Mädchenschulen mit 73 Klaffen und 3555 Schülerinnen, wo
runter 1098 Jüdinnen, und an den städtischen Gymnasien und Real
gymnasien zusammen 54 Vorschulklassen mit 3020 Schülern, unter denen

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