über die dortigen Schulverhältnisse.
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sich 487 jüdische Knaben befanden. Mithin beträgt der Prozentsatz der
jüdischen Kinder an den Königlichen höheren Lehranstalten nur 16,e °/o,
während derselbe an den städtischen höheren Lehranstalten bis auf 20,i °/o
steigt, ein Umstand, der gewiß deutlich genug Zeugnis für das höhere
Vertrauen ablegt, welches die Berliner jüdische Bevölkerung der städtischen
Schulverwaltung entgegenbringt.
Ein äußerst interessantes Relief gewinnen die angeführten Zahlen
nun aber erst, wenn man denselben gegenüber in Erwägung zieht, daß
nach der Volkszählung vom Dezember 1880 die Anzahl der jüdischen
Einwohner (53 916) nur rund 5 % der Gesamtbevölkerung der Stadt
(1 122 330) ausmacht, sowie, daß der Magistrat im Etatsjahr 1880/81
aus dem Steuersäckel der Stadt zu den höheren Schulen den enormen
Zuschuß von 1055 136 M. bezahlt hat. Von diesem ganz kolossalen
Zuschuß kamen auf die Gymnasien inkl. der Vorschulklassen 510 282 M.,
auf die Realgymnasien 355744 M., auf die Ober-Realschulen 123 708 M.
und auf die höheren Mädchenschulen 65 402 M. Repartiert man nun
diese Zuschüsse auf die Kopfzahl der in den verschiedenen Anstalten vor
handenen Kinder, so erhält man pro Kind in den Gymnasien einen Zu
schuß von 74,4 M., in den Realgymnasien einen solchen von 74,2 M.,
in den Ober-Realschulen einen solchen von 100,9 M. und in den höheren
Mädchenschulen einen solchen von 18,9 M., oder durchschnittlich pro Kopf
einen Zuschuß von 67,i M.
Stellt man aber weiter diesen für die höheren Lehranstalten aus
gemittelten Ziffern die entsprechenden für die Gemeindeschulen gültigen
Zahlen gegenüber, so ergiebt sich zunächst das interessante Faktum, daß
dem reichlichen Überschuß jüdischer Elemente in den städtischen höheren
Lehranstalten ein verhältnismäßiges Manko jüdischer Kinder in den Ge
meindeschulen entspricht. Die 121 städtischen Volksschulen (sogenannte
Gemeindeschulen) wurden nämlich im Jahre 1881 in 1899 Klassen von
103 191 Kindern und zwar von 50 699 Knaben und 52 492 Mädchen,
unter denen 559 Knaben und 796 Mädchen oder zusammen 1355 Kinder
der jüdischen Religion angehörten, besucht. Die Anzahl der jüdischen
Schüler und Schülerinnen betrug somit nur 1,35 °/o der Gesamtzahl der
in den Gemeindeschulen eingeschulten Kinder, die dem Steuersäckel
der Stadt im Etatsjahre 1880/81 pro Kopf auf 48,8 Mark zu stehen
kamen. *)
) Ein Schulgeld wird in den Gemeindefchulen nicht erhoben.

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