74
Verhandlungen des Berliner Lokalvereins
An den durch diese Zahlen festgestellten befremdlichen Verhältnissen
ändert sich nun auch nicht das Geringste, wenn man die Prozentsätze der
die städtischen Schulen besuchenden Kinder jüdischer Religion in Beziehung
setzt zur Gesamtzahl der vorhandenen jüdischen Einwohner. Es ergiebt
sich dabei vielmehr, daß in den städtischen höheren Lehranstalten 7 °/o
der jüdischen Gesamtbevölkerung, und darunter 5 °/o Knaben, ein
geschult sind; während die Gemeindeschulen nur von rund 2,5 °/o der
jüdischen Gesamtbevölkerung, unter denen die Knaben sogar nur
1 o/o ausmachen, besucht werden.
Der Prozentsatz der die gesamten höheren Schulan
stalten Berlins besuchenden Kinder beträgt rund 8,3 % der
jüdischen Religion und 2 °/o der Bevölkerung der christ
lichen Konfessionen.
Nach einer kurzen Beleuchtung dieser, ohnehin schon deutlich genug
für sich selbst sprechenden Zahlen geht Redner, der sich übrigens vorbe
hält, die allgemein politischen Resultate aus seinen „statistischen Studien"
an anderer, geeigneterer Stelle zu ziehen, auf den Prozentsatz der jüdischen
Elemente im Berliner Lehrer- und Lehrerinnenstande über. Leider hat
Redner, angesichts des vom Magistrat beliebten Verschweigungsmodus,
zu diesem Punkte nur sehr wenig positives Material beschaffen können,
und er stellt deshalb dem Verein anheim, über geeignete Maßnahmen,
welche zur Aufklärung dieser sehr wichtigen dunklen Frage führen könnten,
demnächst in Beratung zu treten.
An den Gemeindeschulen sind im Jahre 1881, incl. der sogenannten
Anwärter und Anwärterinnen, im ganzen 1201 Lehrer und 577 Lehre
rinnen beschäftigt gewesen. Von diesen sollen nun, nach einer nichtamt
lichen Mitteilung, 2 Lehrer und 33 Lehrerinnen der jüdischen Religion
angehören; doch hält Redner die letztere Zahl jedenfalls für ganz wesent
lich zu niedrig gegriffen, da man, wie auch sein Gewährsmann sich
geäußert habe, „im Rathause bei den Herren Schulräten ja fast nur
Jüdinnen ein- und ausgehen sehe." Aber selbst angenommen, daß die
obigen Zahlen richtig seien, so ergeben sie sogar schon ein ganz krasses
Mißverhältnis zwischen der Anzahl der jüdischen Lehrerinnen und Schüle
rinnen in den Gemeindeschulen, indem auf 1,4 °/o jüdischer Schüle-
rinnen 5,7 °/o jüdische Lehrerinnen kommen. — Über die be
züglichen Verhältnisse an den höheren Lehranstalten fehlt jedes Material.
Zum Schluß erörtert Redner noch die nur wenig interessantes
Material darbietenden konfessionellen Verhältnisse der Privatschulen, unter

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.