über die dortigen Schulverhältnisse.
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denen z. Z auch zwei speziell jüdisch-konfessionelle Anstalten mit 22 Klassen
und 977 Schülern und Schülerinnen existieren.
In der sich an das Referat anschließenden Diskussion weist Lehrer
Siel aff zunächst auf die für jedes tiefere Gefühl geradezu verletzende
Art und Weise hin, in welcher man auf dem Rathause die Vereidigung
der städtischen Lehrer und Lehrerinnen, ohne jede Rücksicht auf die Kon
fession derselben, vorzunehmen beliebt. (Rufe: Pfui!) Rektor Bern dt
erwidert hierauf, daß der Schulinspektor, zu dessen Amtsbezirk die von
ihm geleitete Gemeindeschule gehöre, die zu vereidenden Lehrer ausdrück
lich darauf aufmerksam mache, daß ihnen das Recht zustünde, der Eides
formel einen konfessionellen Zusatz geben zu dürfen (Rufe: Bravo!);
doch sei es auch ihm bekannt, daß einzelne Schulinspektoren der Eides
formel das Amen äußerst schnell folgen lassen, um dadurch den nach
sprechenden Lehrern oder Lehrerinnen die Einfügung des konfessionellen
Zusatzes unmöglich zu machen. Zu der von Herrn Sielaff erörterten
Frage, der Verwendung weiblicher Lehrkräfte im Schuldienste, übergehend,
erklärt sich Redner durchaus für die Anstellung von Lehrerinnen, die
für einzelne Disziplinen, zu denen er z. B. auch den Religionsunterricht
rechne, im Mädchenunterricht durchaus nicht zu entbehren seien.
Freilich beliebe der Magistrat jetzt Lehrerinnen in so großer Anzahl
anzustellen, daß eine Erinnerung an das alte /uydsv ayav dringend not
thue; ja es gehe heute sogar schon so weit, daß den Lehrerinnen selbst
der Unterricht in niederen Knabenklassen (in denen sich je 50—70 Kinder
befinden!) übertragen werde. (Rufe: Hört! Hört! Unerhört!)
Universitäts-Professor vr. Strack, der darauf das Wort ergreift,
betont, daß gegen die gerügten Übelstände durchaus eingeschritten werden
müsse, und beantragt deshalb, den Vorstand, unter Beilegung des Rechtes
der Kooptation, zu beauftragen, bei dem Königlichen Provinzial-Schul-
kollegium dahin vorstellig zu werden, daß 1) die konfessionellen Verhält
nisse der Berliner Lehrer und Lehrerinnen amtlich festgestellt und veröf
fentlicht werden, und daß 2) dem Magistrat die Beschäftigung von
Lehrerinnen in Knabenklassen verboten und außerdem demselben aufgegeben
werde, bei der Vereidung von neu anzustellenden evangelischen Lehrern
und Lehrerinnen der Eidesformel den konfessionellen Zusatz beizufügen,
welcher Antrag einstimmig angenommen wird.
Der sehr weit vorgeschrittenen Zeit halber setzt der Vorsitzende
sodann mit Zustimmung der Versammlung die Punkte 3 und 4 von der
Tagesordnung der heutigen Sitzung ab und geht darauf sofort zu Punkt

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