Die Frage der Schüler-Überbürdung.
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hüten; Knaben, die für höhere Lehranstalten bestimmt sind, sollten nicht
vor vollendetem 7. Lebensjahre einer Schule überantwortet werden;
Privatstunden sind möglichst zu vermeiden. Wo die Schüler im Hause
nicht ungestört arbeiten können, sollen seitens der Schule unentgeltliche
Arbeitsstunden gewährt werden. Außer den 2—3 obligatorischen Turn
stunden sind freiwillige Turnübungen, Turnspiele, Ausflüge ins Freie,
Schwimmen, Schlittschuhlaufen zu empfehlen. Der Sonntag ist von
Schularbeiten frei zu halten. Die Ferien sind von Schularbeiten im
engeren Sinne möglichst zu entlasten. Die großen Ferien sind an das
Ende eines Schuljahres oder Semesters zu verlegen und nicht in die
Mitte der Schularbeit. Der Überfüllung der Klassen ist nach Kräften
vorzubeugen. In großen Städten, in denen weite Schulwege zurückzu
legen sind, empfiehlt es sich, den Unterricht, mit Jnnehaltung der nötigen
Pausen, auf die Vormittagsstunden zu konzentrieren. Das Abiturienten-
Examen ist so zu handhaben, daß es auf das Leben und die Arbeiten
der ganzen Schule einen belebenden und anregenden, nicht aber einen
überanstrengenden und schablonisierenden Einfluß ausübt. Die Einschränkung
der Schreibarbeit und die Erledigung der Hauptarbeit in der
Schule, namentlich in den unteren und mittleren Klassen,
ist unentbehrlich. Die übermäßige Betonung der Extempo-
ral-Leistungen und schriftlichen Versetzungs-Arbeiten ist
zu vermeiden. Den sich heranbildenden Lehrern höherer
Lehranstalten ist ausreichende Gelegenheit zur methodi
schen Ausbildung in pädagogischer und didaktischer Hinsicht
zu gewähren." Einige Thesen behandeln noch die Abkürzung der
Arbeitsstunden u. s. w.
Nachdem Direktor Dr. Bach die Thesen begründet, wurde von Dr.
meä. Kalischer, Dr. meä. Jakusiel, Oberlehrer Dr. Abraham, Ober
lehrer Dr. Böhm, Dr. meä. Baginsky u. a. fast übereinstimmend aus
geführt: Die Bildungsanforderungen werden in allen Beziehungen immer
größere, eine Verminderung der Arbeitszeit werde sich in Folge dessen
kaum erreichen lassen. Eine eigentliche Überbürdung sei auch nicht vor
handen. Unsere höheren Lehranstalten kranken lediglich an dem Ballast
von Schülern, die ihrer ganzen Veranlagung nach in eine solche Schule
nicht gehören, die sich aber das Zeugnis für den einjährig-freiwilligen
Militärdienst „ersitzen" wollen. Diese Schüler bewirken es, daß die
besser veranlagte Knaben in den unteren Klassen nur mit halber Dampf
kraft arbeiten, zu langsam vorwärts kommen und deshalb in den höheren

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