Ein Vorschlag zu Luthers vierhundertjährigem Geburtstag. 79
bereitet werden könne. Die bloße Thatsache schon, daß am 10. November
1883 vierhundert Jahre seit der Geburt Luthers verflossen sein werden,
wirkt zur mächtigen Anregung, uns den ganzen Reichtum, den wir in
diesem größten deutschen Geisteshelden haben, zu vergegenwärtigen. Wie
vielmehr treibt die Verdunkelung, Verzerrung und Schändung des Luther
bildes, welche die Widersacher neuerlich wieder unternommen, alle evan
gelische Deutsche zu dem Zeugnis: diesen Mann sollt ihr uns nicht
nehmen, entwerten, verleiden; hoch über der Parteien Haß und Gunst
soll sein Bild auch den kommenden Geschlechtern leuchten als das Urbild
des deutschen evangelischen Mannes! Wetteifre denn auch in unsrer
Zeit die Bildnerkunst und die erzählende Schrift, dem Volke zu zeigen,
wer Luther war, ist und bleiben wird! — mein Vorschlag geht
vor allem auf das gesprochene Wort.
Nachdem Worms das große, die ganze Reformation darstellende
Lutherdenkmal empfangen hat, mögen auch andere Städte, welche um
Luthers Leben eine besondere Bedeutung haben, auf freiem Platz vor allem
Volk ein Lutherbild in Erz oder Stein aufstellen, obwohl uns Luther
stiftungen die besten Lutherdenkmäler scheinen. Mögen kirchliche
Körperschaften für ihre Festsäle und Arbeitsräume von Malern, die
evangelischen Geist haben, wie Meister Pfannschmidt, sich den Mann,
der die Bibel in die Hand und aufs Herz genommen, zur Mahnung und
Erfrischung vor die Augen stellen lassen! Mag der Kupferstich das Studier
zimmer der Pastoren mit diesem pastor Germaniae zieren. Mag der
Holzschnitt, der in den Tagen Luthers schon dem Evangelium treffliche
Dienste gethan, zu Luthers Geburtstag allem Volke für ein paar Pfen
nige das Lutherbild mit seiner mächtigen Stirn, seinen festen Lippen,
seinem ehrlichen deutschen Gesicht, seiner ganzen mannhaften Gestalt
liefern!
Zum Bilde komme die Schrift. Jansfens Buch ist eine unwider
stehliche Aufforderung für die evangelischen Geschichtsschreiber, zu
zeigen, daß sie die Urkunden auch gelesen haben, daß sie dieselben recht
gelesen, daß sie Dinge darin gefunden, die Janffen umgangen, daß sie
vieles, was Janssen hervorgebracht, anders verstehen, daß zur Geschichts
schreibung mehr gehört, als eine Zusammenreihung von Zitaten: näm
lich ein einfältig Auge, das dem Lichte sich nicht verschließt, ein tief
blickendes, das in den Erscheinungen das Wesen entdeckt, ein weitschauendes,
das Jahrhunderte hindurch in dem Auf und Nieder menschlicher Ent
wickelung den Rath und die Führung Gottes erkennt. Ein solches Auge

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.