84 Eine ländliche Feier des Geburtstages des deutschen Kaisers.
gesungen; passende Gedichte und eine Beschreibung von einer Königs-
Geburtstagsfeier vor 10 Jahren in Frankreich, wobei einer der Kame
raden zugegen gewesen war, wurden vorgelesen, auch Anekdoten von
Papa Wrangel zur allgemeinen Erheiterung mitgeteilt. Mit „Nun
danket alle Gott" wurde um 11 Uhr die Feier geschlossen, von welcher
ein Teilnehmer sagte, einen so schönen Geburtstag habe er noch nicht
erlebt. Die schwarzweißen Tassen wurden zur Erinnerung an diesen Tag
mitgenommen, und einer der alten Teilnehmer sagte am folgenden
Morgen bei Stock und Degen den Seinen an, sie sollten ihm seinen
Morgenkaffee stets nur in dieser Tasse reichen.
Kraft und Milde.
Wie gelangt ein Klavierspieler dazu, ein gutes, gleichmäßiges Piano
mit Sicherheit auszuführen? Offenbar nicht dadurch, daß er von vorn
herein einer recht leisen, flüsternden Tonbildung sich befleißigt, wobei
erfahrungsgemäß die Finger steif, unbeholfen und kraftlos bleiben, sondern
dadurch, daß er durch einen energischen, elastischen Anschlag die Finger
zu der vollen Kraft und Selbständigkeit herausbildet, welche erforderlich
ist, um bei dem leisen Spiel vor Verschwommenheit und Ungleichmäßigkeit
bewahrt zu bleiben. Wer nicht einen kräftigen Ton zu erzeugen vermag,
dem wird ein schönes Pianospiel nie gelingen. Man muß auch beim
leisesten Spiel dem Pianisten abmerken, daß der zurückhaltende Wille
es ist, welcher die Kraft zügelt und in wohlthuender Ruhe ein maßvolles
künstlerisches Piano zustande bringt; man muß heraushören, daß es nicht
an dem Vermögen liegt, größere Ausgiebigkeit und Fülle des Tones zu
erzeugen, daß die Muskelthätigkeit der Finger unter der bewußten, sichern
Herrschaft des Willens steht.
Es ist ein sehr großer Unterschied zwischen der Ruhe und Stille,
welche aus der gebändigten Kraft und der Selbstverleugnung resultiert,
und derjenigen Passivität, welche aus der Abspannung des Geistes oder
aus dem Mangel an Energie hervorgeht. Stillesein und christliche Er
gebung ist das gerade Gegenteil von mutlosem Pessimismus, der in
schwächlicher Weise das sogenannte „unerbittliche Schicksal" walten läßt
und höchstens dahin gelangt, durch eigenmächtiges Zerschneiden des Lebens
fadens in das „Nichts" zurückzukehren. Stille in Gott ist die höchste
Aktivität, weil der dem Willen Gottes entgegenstehende Eigenwille dabei
in den Tod gegeben werden muß, was ohne schweren, andauernden Kampf
nicht abgeht.

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