Die geistliche Schulaufsicht.
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Jeder in inniger Liebe zum Herrn stehende Charakter hat wie der
Apostel Johannes etwas von der kraftvollen Art eines Donnerssohnes
an sich. Eine in schwächlichem Zagen und in Furcht dahergehende Liebe
ist nicht rechter Art, denn die völlige Liebe treibet die Furcht aus, auch
die, in der Welt durch entschiedenes, charaktervolles Auftreten Anstoß
zu geben.
„Wo Starkes sich und Mildes paarte, da giebt es einen guten
Klang," — nicht bloß in der Ehe, wo beides durch göttliche Bindung eins
wird, sondern auch im Charakter des Einzelnen. Die größten Männer
aller Zeiten, von deren Thaten die Weltgeschichte berichtet, vereinten mit
höchster Thatkraft und Charakterfülle wohlthuende, weitherzige Milde.
Karl der Große, Luther, Augustinus und viele andere leuchtende Namen
wären hier zu nennen. Ein echter Typus solcher Verschmelzung der beiden
Pole eines so durchgebildeten Charakters ist Josua, der Sohn Nuns, der
milde, zarte Mann, den der Herr stärken und trösten muß bei der Über
nahme seines Amtes und der gleichwohl wie kaum ein andrer in impo
nierender Kraftbethätigung des Herrn Kriege führte; wie krüppelhaft
nehmen sich dagegen Eli einerseits und Herodes der Große andererseits
aus, bei denen nur je ein Pol zu einseitiger Erscheinung und Wirksam
keit gelangte. — Wie Vieles kann ein Pädagog aus der rechten Erfas
sung dieser biblischen Charaktere für seine Amtsthätigkeit lernen!
Schmiedeberg in Schlesien. Zeglin.
Die geistliche Schulaufsicht.
(Aus einem Briefe an den Herausgeber.)
Wie Sie wissen, bin ich in der Frage der geistlichen Schulaufsicht
durchaus nicht einverstanden mit dem sonst in mancher Hinsicht so ein
sichtigen und verdienten Rektor Dörpfeld. In seinem Beitrag zur
Leidensgeschichte der Volksschule (Barmen. Wiemann 1882. 2. Auflage.
3 Mark) hat er die Sache offenbar einseitig und leidenschaftlich behandelt.
Daß ihm die kirchenseindliche Presse zujauchzt, ist wohl begreiflich; aber
er verschiebt auch manchem braven Lehrer durch seine Autorität den
rechten Standpunkt. Ich hätte da nun gewünscht, Sie hätten längst im
Monatsblatt etwas gegen Dörpfeld geschrieben. Wissen wir doch, daß
unser Ordner die Geistlichen zu gut kennt, als daß er ihnen ohne weiteres
alle schultechnische Bildung absprechen sollte, und daß er in engeren
Kreisen bei all seiner warmen Sympathie für den Volksschullehrerstand

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