Ein Schreiben an den Heransgeber über das Verhältniß der Schule zur Kirche. 181
der Lehrer, des Zustandes unserer Schulen re. So war die Debatte thatsächlich er
öffnet, und man hätte erwarten können, daß dem Referenten wenigstens trotz des Mit-
tagseffens das Wort noch wäre gegeben worden, da er später „auch nicht anwesend sein
konnte"; doch nein, — die Versammlung wurde mit diesem Resultate heimgeschickt, denn
auch am Abende hat keine Discussion stattgefunden; man wußte die Sache nicht mehr
anzufaffen. — Wir würden neben das Ziel schießen und ungerecht urtheilen, wenn wir
die Ursache von dem Allem in böser Absicht suchen und finden wollten; darin lag sie
im Allgemeinen, trotz etlicher privaten und eben nicht sehr anerkennenden Urtheile des
einen und andern der geistlichen Herren über des Referenten Thesen und Anschauungen,
nicht'; auch des Vorsitzenden Benehmen, so sehr wir dasselbe auch von unserm Stand
punkte aus mißbilligen müssen, hatte seinen Grund nicht in Uebelwollen, da er es öffent
lich aussprach, wie er die Person des Referenten schätze, und wir auch wissen, daß er
in der That den Lehrerstand achtet und liebt. Wir finden vielmehr darin hauptsächlich
den Grund jenes kläglichen Resultates, daß die Geistlichen der Mehrzahl nach in der
Schulffage nicht orientirt sind, und wenn sie dieselbe auch selber eine „brennende" nen
nen, so denken sie vor Allem dabei an die Möglichkeit, daß die Schule coufessionslos
werden könne. Nur um das, was ihren, den kirchlichen Interessen droht, haben sie sich
bekümmert; was außer denselben, namentlich auch in Lehrerkreisen, seit Jahrzehnten zur
Prüfung vorgebracht worden ist und was von andern bedeutenden Persönlichkeiten über
die Stellung der Schule gesagt wurde, beispielsweise von Director Zahn schon im
Jahre 1845 in seiner Schulchronik — das ist ihnen fern geblieben.
So zeigte sich auch in Wesel aus diesem Grunde eine Kluft zwischen den An
schauungen der Geistlichen und selbst solcher Lehrer, die es treu und redlich mit der
Kirche meinen, und der Sache wegen ist es zu bedauern, daß die Männer der Kirche
jene Ansicht aus der Schule nicht zu kennen, oder nicht zu schätzen scheinen. — Wir
können unser Referat nicht schließen, ohne noch zu erwähnen, daß jene Verhandlungen
in Wesel auf die anwesenden Lehrer eben nicht einen ermuthigenden Eindruck gemacht
haben, noch femer in enger Verbindung mit den Männern der Kirche zur Lösung der
Schulfrage zu arbeiten, da dort selbst jetzt noch nicht erkannt wird, was zu thun
nöthig ist, und daher ein gemeinschaftliches Handeln mit ihnen zu spät kommen würde!
Ein Schreiben an den Herausgeber über das Verhältniß der Schule
zur Kirche.
Hochgeehrter Herr!
Schon öfter haben Sie in Ihrem Schulblatt den Satz ausgesprochen:
„Die Kirche habe ihr Recht an der Schule verloren, well sie ihre Pflichten
gegen die Schule versäumt habe" — oder:
„Die Kirche habe sich ihrer Verpflichtungen gegen die Schule vom Staat
entheben lassen; daher könne sie nicht mehr die alten Rechte beanspruchen."
Nun erlaube ich mir die Frage: Was verstehen Sie unter dem Wort „Kirche" ?
Sie werden doch „die Gemeinschaft der Heiligen und Gläubigen" darunter verstehen
(Augsb. Conf. Art. VII); und gewiß verstehen Sie nicht darunter mit den Römisch-
Katholischen: „Die Priester — und das kathol. Volk als Anhang."
Wenn dem aber so ist, was soll dann Ihre Behauptung heißen:

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