Beilage zum Evangelischen Schulblatt.
Deutsche Schulzeitung.
Mitte August 1870.
Vom Büchertisch.
1. Des Kindes erster Unterricht aus Gottes Wort, angeschlosien an die
41 Bilder der Kaiserswerther Bilderbibel. Eine Vorstufe zu dem ersten Religions
unterrichte. Von I. F. Ranke, Lehrer an der Diakonissenanstalt und dem Se
minar für Lehrerinnen zu Kaiserswerth.
Bielefeld, Velhagen u. Klasing, 1861. 78 S.
2. Hosianna! Ausgewählte bibl. Erzählungen für die Kinderstube und die
Kleinkinderschule, mit 21 Original-Holzschnitten von A. Gaber, in die Sprache
der Kleinen übertragen und herausgegeben von W. Meyer, Präzeptor.
Hannover, K. Meyer, 1866.
Es gibt der Hilfsmittel noch nicht viele, die sich für den ersten Religionsunterricht
anbieten. Die vorstehenden beiden Schriften gehören zu den besten und sind unbedingt
zu empfehlen.
Beide Autoren wissen, daß es auf dieser Stufe nicht genügt, eine bibl. Geschichte
schlechtweg mit dem Bibelwort vorzutragen; auch nicht das Rechte getroffen wird, wenn
man die nöthigen Erläuterungen nachträglich herbeibringt. Beide haben sich demnach
bemüht, den sprachlichen Ausdruck thunlichst dem kindlichen Fassungsvermögen anzupaffen,
und man muß anerkennen, daß sie hierin gute Wegweiser sind.
Ein Unterschied tritt zwischen Beiden im Gebrauch der bibl. Bilder hervor.
Ranke läßt das Bild vorausgehen: seine Vorträge schließen sich eng an das betreffende
Bild an, sie sind gleichsam zugleich Bilderbeschreibung und Erzählung.
Das Bild soll sogleich dem gesprochenen Worte zu Hülse kommen. Ist dann
die Geschichte auf diese Weise ein Mal durchgenommen, so soll sie zum zweiten Male
schlichtweg, in kindlicher Form, doch mit thunlichstem Anschluß an die Bibelworte erzählt
werden.
Meyer nimmt ebenfalls das Bild zu Hülfe. Er hat Original-Holzschnitte
(von Gaber) beschafft, die, wie der Name dieses Meisters erwarten läßt, ganz vortreff
lich sind. Da sie jedoch ein kleines Format haben, so können sie natürlich nur im
Familienkreise und beim Privatunterricht gebraucht werden, — nicht in Schulklassen.
Der Vers. will nun die Geschichte erst erzählt haben und dann die Besprechung des
Bildes eintreten lassen. Sein Buch gibt eben die Erzählungen, und überläßt die
Besprechung des Bildes dem Ermessen des Lehrers; während Ranke zeigt, wie man
das Bild besprechm soll, und dann die schlichte Erzählung dem Lehrer überläßt.
— Es wird sich schwer entscheiden lassen, welche von diesen beiden Manieren auf die
ser Stufe die angen>essenste ist. Die Entscheidung wird auch nicht nöthig sein: man
kann mit beiden Manieren abwechseln und so gleichsam die Vorthelle Beider sich zu
Nutze machen. Ueberhaupt möchten wir jedem Lehrer (und jeder Mutter) empfehlen,
beide Bücher sich anzuschaffen Md von beiden Autorm zu lernen: sie ergänzm sich

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