Evangelisches Schulblatt.
Anfang November 1870.
I. Abtheilung. Abhandlungen.
Die Schulen im mittleren Schleswig während der Herrschaft
der dänischen Sprache in denselben.
Die Jahre von 1851 bis 64 bilden für das Volk der Herzogtümer Schles
wig-Holstein überhaupt, und ganz besonders für die Schulen Schleswigs ein in
haltreiches Stück Geschichte. Wenn auch diese Epoche in ihren Ursachen und
Wirkungen nur nach gehörigem Studium ihre rechte Verarbeitung und Darstellung
von Meisterhand finden kann, so möchte doch eine einfache und übersichtliche Dar--
stellung des ganzen Verlaufs der Ein- und Durchführung der so berüchtigten Sprach-
maaßregeln den Lesern d. Bl. von Interesse sein. Berechtigt möge solche
Darstellung dadurch sein, daß schwerlich in diesen Blättern solche bisher gegeben,
und daß, was darüber in andern Tagesblättern geschrieben, gar oft Unrichtigkeiten
hat mit unterlaufen lassen. Diese folgende Arbeit glaubt sich zum Vorzüge anzu
rechnen, daß sie aus unmittelbarer Anschauung hervorgegangen und sich stets darauf
bezieht. — In erster Linie werden hier die Schulen der Landschaft Angeln als
maßgebend hervortreten, da mir diese vor den andern am bekanntesten sind. —
Vor Einführung der dänischen Sprache standen die Schulen Schleswigs
und besonders Angelus, auf einer recht erfreulichen Stufe. Die Bevölkerung
hatte von jeher viel Sinn für die Schule; die Schulstellen waren, namentlich
für die Bedürfnisse nicht weit zurückliegender Zeit, gut dotirt, der Schulbesuch durch
weg gut, da die Bewohner bemittelt waren, und die Schule gerne hatten. —
Die Kinder waren begabt, und kamen mit Lust und Liebe her, vom Hause
aus voll Pietät gegen Schule und Lehrer. Bei der zurückhaltenden, passiven
Natur des Volks gings mit den Kindern anfangs langsam, aber sie arbeiteten
desto eifriger, und gingen dann um so rascher vorwärts, nachdem sie erst warm
geworden. Vorherrschend zeigten sie große Neigung für den Religionsunterricht,
dem sie sich mit ihrer ganzen gemüthlichen Tiefe hingaben. Auch im Rechnen
ward Tüchtiges erreicht, und Geschichtliches, Geographisches und Naturkundliches
fand freudige Aufnahme und aneignende Verarbeitung. — Das Schwierigste war
von jeher die Erzielung sprachlicher Fertigkeit, da das Plattdeutsch daheim, weil
auf den Trümmern der allmälig absterbenden ursprünglichen dänischen Volkssprache
ruhend, in seinen Vokalen gemischt und in der Construktion oft etwas absonder
lich sich darstellte. Auch hörten die Kinder den Großvater und die Großmutter noch
manchen Ortes dänisch sprechen, wodurch Ohr und Zunge ihnen unzuverlässig
gemacht, vorzüglich jedoch die Artikulirung unrein und verschwommen ward.
Kinder jedoch haben, wenigstens südlich von Flensburg, schon in den letzten 40
Jahren nicht mehr dänisch gesprochen. Seit der Reformation und durch den stets
zunehmenden geistigen und geschäftlichen Verkehr unsers Volkes mit dem Süden brach
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