Correspondenzen.
Neujahrsbücher. In sehr vielen Schulen, wenigstens unsrer westlichen Provinzen,
besteht die Sitte, den Schülern vor den Weihnachtsferien ein sogenanntes Neujahrs
büchlein zu geben. In den weitaus meisten Fällen sind diese Bücher so gehalten, daß
sie den Kindem lediglich zur vorübergehenden Unterhaltung und Belustigung dienen,
wenigstens tritt der unterrichtlich-erziehliche Zweck sehr in den Hintergrund. Es wäre
die Frage, ob nicht durch diese Bücher mehr und Besseres erreicht werden könnte. —
Das Lesebuch hat neben seiner Aufgabe als Sprachbuch auch noch die, dem Kinde die
nothwendigen Materialien aus den naturkundlichen und ethischen Gebieten zu geben.
Daß bei solcher Aufgabe es äußerst schtver ist, das rechte Buch zu schaffen, ist klar;
noch bedeutend erschwert wird die Herstellung desselben dadurch, daß es nicht für einen
engen, bestimmten Kreis, sondern so gefaßt sein soll, daß es möglichst universellen
Eharacter habe. Schreiber dieses ist der Ueberzeugung, daß wir nicht eher gute Lese
bücher bekonlmen, als bis sich die Verfasser gewöhnen, bei der Abfassung desselben
1. nur die Bedürfnisse solcher Schulen ins Auge zu fassen, die unter möglichst gleichen
Verhältnissen arbeiten, und 2. nicht eher an das Lesebuch gehen, als bis der Lehrplan
sorgfältig und bis ins Einzelne vorher entworfen ist. Das Schul-Lesebuch soll eine
Encyklopädie sein, d. h. das und so viel aus den einzelnen Wissensgebieten enthalten,
als nöthig ist, damit das Kind für den vor- und nebenher gehenden mündlichen Un
terricht hier das nothwendige Lernmaterial stnde und zugleich befähigt werde, über das
in Lehrplan und Buch beschlossene Ziel hinaus selbständig fortschreiten zu können. Soll
dieses geleistet werden, so kann das Lesebuch nur nach einem bestinimt und gut abge
faßten Lehrplan enttvorfen werden. Um dann nicht dennoch Mißgriffe zu begehen, ist
es rathsam, die einzelnen Abschnitte, ehe sie ins Lesebuch aufgenommen werden, im Un
terricht zu erproben.
Für die Vorarbeiten zum Lesebuch kann nun das Neujahrsbüchlein einen guten
Dienst leisten. Da seine Herstellung nur wenig kostet, so bietet es ein treffliches Mit
tel, um die für das Lesebuch bestimmten Stoffe zu vorerwähntem Zwecke in die Hand
der Kinder zu bringen. Unsere Lesebücher wären sicherlich um manche verfehlte Parthien
ärmer und Hütten statt ihrer bessere, wenn dieselben vorher als Brochüren gedruckt und
in der Schule versucht worden wären. Ein Urtheil über den Grad der Brauchbarkeit
der Lesestücke kann man sich sicherlich dadurch am besten verschaffen, daß man sie mit
den Kindern versucht; der Versuch bleibt aber sehr unvollkommen, wenn nicht jeder
Schüler die Lernstücke gedruckt in Händen hat. Der Fordemng, wonach die Neujahrs
bücher ihren bisherigen Eharacter nicht ganz verleugnen sollen, ließe sich durch eine Zu
gabe an Bildern und event, einiger kleinen Erzählungen genügen. — Auch noch nach
andrer Seite läßt sich das Büchlein verwerthen. Es ist sehr wünschenswerth, daß die
Kinder ein Bild von dem Leben der Menschen in den verschiedenen Zonen und Ländern
bekommen, daß sie ferner einen Einblick thun in das Leben solcher Männer, die durch
besondere Willenskraft und ernstes Streben sich eine bedeutend höhere Stellung in der
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