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Beilage zum Evangelischen Schulblatt.
Deutsche Schulzeitung.
Mitte März 1874.
Correspondenzen.
sZur Lesebuchfrage.j Ein schweizerisches Schulblatt brachte unlängst
nachstehende kurze Mittheilung bezüglich der Umarbeitung des Berner Lesebuchs
sür die Mittelklasse: „Die kantonale Schulsynode war am 27. Okt. v. I. ver
sammelt und beschäftigte sich u. A. mit der Frage: Ist nach den gemachten Er
fahrungen eine Revision des Mittelklassen-Lesebuchs Bedürfniß, und wenn ja, wie
soll dasielbe nach Stoff, Form und Gliederung beschaffen sein? Diese Frage
wurde in 10 Sätzen- beantwortet, und es soll die Arbeit diesen gemäß ausgeführt
werden." — Unter diesen in der Correspondenz mitgetheilten 10 Sätzen hebe ich
die folgenden 3 als die wichtigsten heraus und nehme Veranlassung, bei der
Wichtigkeit, welche die Lesebuchsfrage überhaupt in Anspruch nimmt, und bei dem
Interesse, welches gerade jetzt in besonderer Weise auf dieselbe gerichtet ist, an
diese 3 Grundsätze einige Betrachtungen anzuknüpfen.
Der erste Satz betrifft den Stoff oder Inhalt des bez. Lesebuchs über
haupt und lautet: Das Lesebuch diene nicht blos den rein sprachlichen, sondern
auch den realistischen Zwecken des Unterrichts; die sprachlichen Rücksichten sollen
jedoch überall vorwalten.
Der zweite Satz betrifft die. Form der einzelnen Lesestücke und heißt:
Der sprachliche Ausdruck sei durchweg korrekt und entspreche der Fassungskraft
des Schülers. Die Darstellung sei einfach, fließend, anschaulich. Die Lesestücke
sollen sich auszeichnen durch Planmäßige Uebersichtlichkeit und angemessenen Umfang.
Der dritte Satz stellt die Gliederung (Anordnung, Eintheilung) des Buches
fest und lautet: Das Lesebuch gliedert sich in einen sprachlichen und einen reali
stischen Theil. Im sprachlichen Theil wechseln Musterstücke in gebundener und
ungebundener Rede mit einander ab. Der realistische Theil enthält eine geschicht
liche, geographische und eine naturkundliche Abtheilung, aus denen jedoch die Poe
sien in den sprachlichen Theil zu verweisen sind.
Für heute will ich mich nur mit dem ersten Grundsätze, wonach das Lese
buch auch den realistischen Zwecken des Unterrichts dienen soll,
beschäftigen. Soll die Volksschule sog. Real-Unterricht ertheilen — und sie soll
es allerdings, selbstverständlich innerhalb der durch die Verhältniffe gesteckten
Grenzen und nach Maßgabe des Bildungsbedürfnisses ihrer Schüler — so muß
für denselben auch ein Lehrmittel vorhanden sein, welches diesem Unterricht zu
Hülfe kommt und die Zwecke deffelben in kräftiger Weise zu fördern geeignet ist.
Freilich muß der mündliche Unterricht das erste und wichtigste Ge
schäft besorgen, aber das Gelernte muß auch eingeprägt, d. h. befestigt
und zum geistigen Eigenthum der Schüler werden, und damit es nicht wieder

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